BULLSHIT 1: Reflektionen über blog’s und BloggerInnen

Beim Lesen und Kopfschütteln über politische Diskussionen, Angepflaume, WichtigtuerInnen und Wichtigtuereien im täglichen BLOGSPORT (und z.B. bei den „Ergänzungsauswürfen“ bei Indymedia), bin ich wieder auf ein Buch gestossen, was ich das letzte Mal vor einem Jahr in den Händen hatte. Vieles in den Blog’s erinnerte mich an den Inhalt dieses kleinen Büchleins: Alles in allem jede menge „BULLSHIT“

Definition of „BULLSHIT“:
»[Die] Aussage gründet weder in der Überzeugung, dass sie wahr sei, noch in dem Glauben, dass sie falsch sei, wie es für eine Lüge erforderlich wäre. Gerade in dieser fehlenden Verbindung zur Wahrheit – in dieser Gleichgültigkeit gegenüber der Frage, wie die Dinge wirklich sind – liegt meines Erachtens das Wesen des Bullshits.«

Variations of „BULLSHIT“ :
„Bullshit ist so normal geworden und so allgegenwärtig. Nur wenn es um etwas Wichtiges geht, um eine politische Frage etwa, bei der Bullshit gefährlich ist und schädlich, dann zucke ich zusammen. Aber was soll ich machen, ich bin hilflos. …“
or:
„Bullshit ist eine Technik, die Wahrheit zu verbergen. Es geht dabei gar nicht so sehr darum, ob jemand lügt oder nicht. Es geht vielmehr darum, dass jemanden, der im System des Bullshit denkt und lebt, irgendwann das Gefühl dafür abhanden kommt, dass er womöglich auch mal die Wahrheit sagen könnte. Insofern ist Bullshit schlimmer als die Lüge – weil dabei die Vorstellung von Wahrheit ganz verschwindet.“
or:
Bullshit ist ein Weg, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Einen Fernseher zu verkaufen, eine Wahl zu gewinnen, die öffentliche Meinung zu manipulieren….
or:
Bullshit ist immer dann unvermeidbar, wenn die Umstände Menschen dazu zwingen, über Dinge zu reden, von denen sie nichts verstehen. Die Produktion von Bullshit wird also dann angeregt, wenn ein Mensch in die Lage gerät oder gar verpflichtet ist, über ein Thema zu sprechen, das seinen Wissensstand hinsichtlich der für das Thema relevanten Tatsachen übersteigt. Diese Diskrepanz findet sich häufig im öffentlichen Leben, in dem Menschen sich – aus eigenem Antrieb oder auf Anforderung anderer – oft gedrängt sehen, sich eingehend über Gegenstände auszulassen, von denen sie wenig Ahnung haben. In dieselbe Richtung wirkt die weitverbreitete Überzeugung, in einer Demokratie sei der Bürger verpflichtet, Meinungen zu allen erdenklichen Themen zu entwickeln oder zumindest zu all jenen Fragen, die für die öffentlichen Angelegenheiten von Bedeutung sind. Das Fehlen jedes signifikanten Zusammenhangs zwischen den Meinungen eines Menschen und seiner Kenntnis der Realität wird natürlich noch gravierender bei einem Menschen, der es für seine Pflicht als moralisch denkendes Wesen hält, Ereignisse und Zustände in allen Teilen der Erde zu beurteilen.
Die gegenwärtige Verbreitung von Bullshit hat ihre tieferen Ursachen auch in diversen Formen eines Skeptizismus, der uns die Möglichkeit eines zuverlässigen Zugangs zur objektiven Realität abspricht und behauptet, wir könnten letztlich gar nicht erkennen, wie die Dinge wirklich sind. Diese »antirealistischen« Doktrinen untergraben unser Vertrauen in den Wert unvoreingenommener Bemühungen um die Klärung der Frage, was wahr und was falsch ist, und sogar unser Vertrauen in das Konzept einer objektiven Forschung. Eine Reaktion auf diesen Vertrauensverlust besteht in der Abkehr von jener Form der Disziplin, die für die Verfolgung eines Ideals der Richtigkeit erforderlich ist, und der Hinwendung zu einer Disziplin, wie sie die Verfolgung eines alternativen Ideals erfordert, nämlich eines Ideals der Aufrichtigkeit. Statt sich in erster Linie um eine richtige Darstellung der gemeinsamen Welt zu bemühen, wendet der einzelne sich dem Versuch zu, eine aufrichtige Darstellung seiner selbst zu geben. In der Überzeugung, die Realität besitze keine innerste Natur, die als wahre Natur der Dinge zu erkennen er hoffen dürfe, bemüht er sich um Wahrhaftigkeit im Hinblick auf seine eigene Natur. Es ist, als meinte er, da das Bemühen um Tatsachentreue sich als sinnlos erwiesen habe, müsse er nun versuchen, sich selbst treu zu sein.

(ALLE Zitate von Harry G. Frankfurt)

bullshit.jpg
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 3518584502
Gebunden, 77 Seiten, 8,00 EUR

Zuguterletzt:
Bullshit kann sehr kreativ sein.Bullshit kann Spaß machen und Neues in die Welt bringen. Es gibt so genannte bullsessions: Man kann dabei einfach Ideen ausprobieren, ohne gleich an konkrete Ergebnisse zu denken — und alle wissen, dass sie nicht die Wahrheit sagen, sondern nur Bullshit. […] Und man kann sogar etwas über sich selbst erfahren durch Bullshit: indem man ohne Angst und Zwang und frei heraus über sich spricht. — Harry G. Frankfurt in: DIE ZEIT, Nr, 9, 2006 (vollständiges Interview)

….mensch sollte sich dabei aber bitte nicht auch noch ernst nehmen.(MMM)

Einleitung zu BULLSHIT(pdf-datei)
Bullshit-Generatoren
Bullshit-Bingo
Bullshit-Deflector
„How to BULLSHIT“





Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: