Archiv für Oktober 2008

Kein Haus des Jugend(straf)rechts in Kaiserslautern

Zu den Artikeln der RP-Pfälzische Volkszeitung „Jugendrechts-Haus: Minister drängt auf Beteiligung“ und „Marschbefehl erhalten“ vom 17.10.2008

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Auf Anweisung von „oben“ (RLP-Innenminister Bruch) soll in Kaiserslautern ein „Haus des Jugendrechts“ geschaffen werden. Das hört sich zwar nett an, doch handelt es sich hierbei – wieder einmal – um eine orwell’sche Begriffsverdrehung, wie wir sie vor allem aus der Politik kennen. Ein „Haus des Jugendrechts“ sollte ja eigentlich ein Ort sein, an dem Jugendliche ihre Rechte kennen lernen können und dabei geholfen bekommen diese umzusetzen bzw. einzuklagen. Doch nach dem, was in der Rheinpfalz Lokalausgabe vom 19.09.2008 zu lesen war, geht es den Initiatoren dieses Projekts allein um die effizientere Anwendung des Strafrechts gegen Jugendliche. Eigentlich müsste das ganze „Haus des Jugendstrafrechts“ heißen. Dies wäre zumindest begrifflich ehrlich und würde von vornherein deutlich machen, dass es sich hier keinenfalls um eine humane und jugendfreundliche Einrichtung handelt.

Nach genauerer Beschäftigung mit dem Thema zeigte sich, dass es nicht nur Lob für dieses Projekt gibt, sondern auch allerlei Kritik.

Die Jugendgerichtshilfe Frankfurt/M merkte zum Beispiel kritisch an, dass ihre Behörde kein Teil der Strafverfolgungsbehören sei, und auch nicht werden dürfte. Auch das Gesetz sieht eine strikte Trennung zwischen Sozialarbeit und Strafverfolgung vor. Außerdem gibt es große Probleme mit dem Datenschutz. Die Jugendgerichtshilfe darf nicht gezwungen werden, vertrauliche Daten über Jugendliche Straftäter an die Verfolgungsbehörden weiterzugeben. Der geschützte Raum, den Sozialhilfe*(s.o.) normalerweise darstellen sollte, ist mit der Schaffung einer solchen Einrichtung welche Polizei, Staatanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe bündelt, ein für alle mal verloren. Ein jugendlicher Straftäter mit einer gewissen Schläue wird sich dann kaum noch vertrauensvoll an einen Sozialarbeiter wenden, auch wenn er die Bereitschaft hat, seine Probleme konstruktiv zu lösen. Aber auch andere Jugendliche, die dies mitbekommen, werden Streetworkern um einiges skeptischer begegnen, als im Moment.

Es gibt auch bisher keine Untersuchung, die positive Effekte durch die Schaffung solcher Häuser bestätigt. Oft führen sie zu einem statistischen Anstieg der Jugendkriminalität und der Zahl der Verurteilungen. Dies scheint der einzige Effekt der Zusammenarbeit von Polizei, Staatsanwaltschaft und Sozialarbeitern zu sein. Dass verurteilte Jugendliche, gerade auch wenn sie in Heime oder Gefängnisse verfrachtet werden, immens hohe Rückfallquoten aufweisen, spricht ebenfalls nicht für die Schaffung eines „Hauses für Jugendstrafrecht“.

Politiker in Stadt und Land sollten sich wirklich für die Rechte Jugendlicher stark machen statt die Verpolizeilichung der Gesellschaft voran zu treiben,. Das Recht auf Bildung, in demokratischen und gutausgestatteten Schulen, die gleichgute Bedingungen für alle schafft, ohne Ansehen der jeweiligen sozialen Voraussetzungen und Herkunft; das Recht auf körperliche und psychische Unversehrtheit; das Recht auf einen Ausbildungsplatz . Also die Schaffung glaubhafter Zukunftsperspektiven und Hilfe bei der Umsetzung der eigenen Fähigkeiten und Vorstellungen Jugendlicher. Auch der Schutz vor Abzocke (durch Telefongesellschaften, Internethandel usw.) und den Auswüchsen der Konsumgesellschaft gehört dazu.

Stattdessen setzt gerade die Politik auf Bundes und Landesebene darauf, Jugendliche zu kriminalisieren. Die rheinland-pfälzische Landesregierung sollte jedoch erst mal“ ihre Hausaufgaben“ machen, bevor sie den ‚Lautrern“ zweifelhafte Marschbefehle erteilt. Der städtische Jugenddezernent und der Jugendhilfe-Ausschuß tun gut daran, sich auch weiterhin gegen die Bevormundung durch Landesinnenminister Bruch und gegen die Vermischung von Sozialarbeit und Polizei zu wehren. Sie sollten mit der Unterstützung des Stadtvorstands der Errichtung eines „Hauses des Jugendrechts“ weiterhin widerstehen und nicht jeden Mist mitmachen, der von höheren Stellen kommt.

Quellen:
*Ziel: „Hand in Hand“ schneller bestrafen(Von Klaus Jünschke, Neue Rheinzeitung, 04.07.2007))
*Kritik an Haus des Jugendrechts (von Katharina Iskandar, FAZ 13.05.2008)

…In Stuttgart war Ende der 90er Jahre das befürchtete Ansteigen der Jugendkriminalität und die mangelhafte Kommunikation zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendrichtern und Jugendgerichtshilfe Anlass in einem „Haus des Jugendrechts“ in einem Stadtteil, nämlich Bad Cannstatt, nach neuen Wegen im „Kampf gegen Jugendkriminalität“ zu suchen. Da steckt so viel heiße Luft drin, dass man selbst in Stuttgart keine Veranlassung sieht, dieses Modell flächendeckend auch in den anderen Stadtteilen zu installieren. Bundesweit ist die Jugendkriminalität seit Jahren rückläufig, und dort wo es steigende Anzeigen gibt, handelt es sich um Resultate polizeilicher Animation. (Klaus Jünschke)

*Projekt „Haus des Jugendrechts“ – Gesamtprojektbericht Stuttgart and something more
*Schneller statt härter bestrafen – Die Arbeit im „Haus des Jugendrechts“(SWR1)

*Aus den Schlussfolgerungen von Henrion Hervé: Die französischen Häuser der Justiz und des Rechts. Ein neuer Ort für die Regulierung von Kleinkriminalität

…Man darf sich keinen Illusionen hingeben. Der Ausdruck »HJR «(„Haus des Jugendrechts“) lässt zwar auf den ersten Blick eine Tendenz zum Rückzug des Strafrechtsim Bereich der Regulierung von Konflikten vermuten. Das trifft aber letztlich nicht zu. Es handelt sich vielmehr um das Gegenteil, weil hinter der Gründung der HJR eine Zunahme des Strafrechts steckt. In den meisten Fällen, die vor ein HJR kommen, hätte sich der Staatsanwalt vorher für eine einfache Verfahrenseinstellung (aber nicht für die Verfolgung entschieden im Rahmen der Anwendung des Opportunitätsprinzips. Die Verkoppelung HJR/TTR (von Häusern des Jugendrechts mit den Verfolgungsbehörden) dient der Verwirklichung der Idee zur möglichst lückenlosen Reaktion des Staates auf strafrechtlich relevantes Handeln nach dem besagten Motto »Auf jede Straftat eine Antwort«. Ein möglicher Effekt dieses Drangs nach Effizienz des Strafsystems liegt in der durch Tulkens beschriebenen »overcriminalisation«. Diese zeigt die Verminderung der Kapazität eines Strafsystems, weil die Nachfrage das Angebot überwiegt. Die letzten französischen Statistiken der Delinquenz zeigen eine Erhöhung der Kleinkriminalität, die sich teilweise durch eine Erhöhung der Strafanzeigen erklärt. Viele Mediatoren und Staatsanwälte erfahren in der Praxis, dass verletzte Personen Strafanzeige erstatten, weil sie sich (dank TTR und HJR) mit sehr viel Sicherheit auf eine schnelle Antwort verlassen können. Ein Zuwachs von Antworten könnte also einen Anstieg des Verlangens nach Antworten bewirken. Es bleibt zu hoffen, dass die HJR in der Zukunft nicht überfüllt werden.
(> ganzer Artikel)

DER BAADER MEINHOF KOMPLEX: Ein staatstragendes Schauspiel

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Die Situation nach dem Konsum des materiell und medial bisher aufgemotztesten Films über die Geschichte der RAF ist ein seltsamer Zustand. Einerseits weiß mensch einiges über die Zeit in der der bewaffnete Kampf in der damaligen BRD begann und hat vieles schon mit realen Akteuren jener Zeit diskutiert .Andererseits weiß mensch auch einiges über die Macher des Films und ihre gewachsene Stellung in der offiziellen Geschichtsschreibung des neuen (alten) Deutschlands. Es ist nicht allzu schwierig das alles zu analysieren, doch bildet sich vor allem Wut über Dreistigkeit der Filmemacher, sich über ein mit Millionen Euros gepäppeltes Produkt die Geschichte zurecht zu biegen. Ein Machwerk, das keinen Kunstgriff auslässt um Geschichtsfälschern wie dem Autor der Buchvorlage Stefan Aust ein staatstragendes Denkmal zu setzen.

Dass dieses Massenprodukt Geschichte schreiben soll, zeigt sich schon an der finanziellen und materiellen Unterstützung durch Institutionen wie die „Bundeszentrale für politische Bildung“. Unter anderem gibt es eine 36seitige Broschüre, aufgebaut für die Nutzung in Schulen und Hochschulen. Es bleibt der Eindruck, dass hier historische Wahrheiten festgeklopft und unverrückbar in die Hirne, vor allem, der Jugend gestampft werden sollen. Die Geschichte der RAF und die des antagonistischen (1) Widerstands in der BRD soll abgewickelt werden als von vornherein sinnloser Kampf von 6 gegen 60 Millionen. Die RAF wird als eine kleine Gruppe von Weltverbesserern dargestellt , die sich mit der Widersinnigkeit ihres Ansinnens (die Revolutionierung der bundesrepublikanischen Verhältnisse) nicht abfindend, zu Killern mutierten und sich so um ihre Glaubwürdigkeit gebracht haben. Der Jugend soll immer bewusst sein das Widerstand zu jeder Zeit zwecklos ist und nur in die Selbstverstümmlung bzw. Selbstzerstörung führt.

DIE MACHER

Besonderes Interesse an dieser (doch sehr fragwürdigen ) Art von Geschichtsschreibung hat vor allem Stefan Aust, der als direkt Beteiligter in der Geschichte der Studentenrevolte und mit seinem Buches „Der Baader-Meinhof-Komplex“ Diese geschichtsverdrehend Grundlage für diesen Film schuf.
Stefan Aust begann seine journalistische Laufbahn, ebenso wie Ulrike Meinhof in der Konkret-Redaktion. Die Konkret (2) war in der 60er Jahren das führende Blatt für Gesellschaftskritik und linke Themensetzungen. Die Kolumnen von Ulrike Meinhof waren Orientierungspunkte in der Radikalisierung der Kritik an den bundesrepublikanischen Zuständen und der Auseinandersetzung mit der Rolle der USA und der BRD in der damaligen Politik. Die NATO bestand teilweise aus Militär-Diktaturen, die in ihren eigenen Ländern mordeten und folterten, wie Spanien, Portugal, Griechenland und die Türkei. Die USA massakrierten die vietnamesische Bevölkerung auf dem Boden und aus der Luft. Es gab befreundete Diktatoren im Dutzenden. Rassistische Regime wie das Südafrikanische wurden hofiert. . Diktatoren aus aller Welt, die für Mord und Folter berüchtigt waren wurden von den sogenannten Westmächten hofiert, während selbst demokratische Befreiungsbewegungen mit Hilfe US-amerikanischer und westeuropäischer Waffen, Unterstützung durch Geheimdienste in Sachen Folter und politischem und wirtschaftlichem Knowhow der Garaus gemacht wurde. (z.B. Chile)

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Doch genau diese Befreiungsbewegungen in Asien , Afrika und Lateinamerika, waren für viele Jugendliche weltweit ein wichtiger politischer und moralischer Faktor, weil diese, als Unterdrückte und Ausgebeutete, für eine gerechtere Welt antraten und nicht korrupt erschienen wie die jeweiligen Machhaber der Militärregierungen.
Auch in den Metropolen gab es den unbändigen Wunsch nach Befreiung und auch hier entwickelte sich eine starke emanzipatorische Bewegung.(zb. die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung), Kritische Schriftsteller und Wissenschaftler wie Jean-Paul Sartre (3), Frantz Fanon (4), Herbert Marcuse (5) und Theodor W. Adorno (6) meldeten sich zu Wort. Diese Entwicklungen spiegelten sich auch in den Artikeln der Konkret.

Mit dem Beginn der Studentenrevolte war der Schrei nach der praktischen Umsetzung eines neuen Menschen in einer befreiten Gesellschaft verbunden. Gerade auch Journalisten und Journalistinnen mussten (und müssen auch heute noch) sich der Frage stellen, wo sie stehen. An der Seite als Beobachter, Analyst und Kritiker oder als Protagonist – als handelnde Person in der Revolte, der seine Fähigkeit in den Dienst des gemeinsamen Ziels stellt. Ulrike Meinhof hat sich für die eine Seite entschieden, Stefan Aust für die Andere. „Er habe sich nie als Teil der Bewegung dieser Jahre gesehen“, sagt er in einem Interview. Seine Bekanntschaft mit Ulrike Meinhof in der Redaktion von Konkret, seine Begegnung mit einigen anderen Akteuren der antiautoritären Revolte, habe ihn sozusagen an die Materie herangeführt. Er blieb Redakteur und wurde langsam vom Konkret-Schreiberling zum Spiegel-Mitarbeiter und letztendlich zum Spiegel-Chefredakteur Er wurde korrumpierbar wie viele andere Akteure der Studentenrevolte.

Dabei bleibt einiges, an Gesellschaftskritik und vor allem, an dem Bewusstsein über die Notwendigkeit von Veränderung auf der Strecke. Um sich in die bundesdeutschen Geschichtsbücher zu schreiben, hat sich Aust dann auch noch vom Letzten getrennt, was er noch lange glaubwürdig aufarbeitete: Das Wissen über die perfiden Inszenierungen und skrupellosen Machenschaften der bundesdeutschen Geheimdienste. So publizierte er z.B. zum Celler Loch und den Schmücker-Mord (7), zum Kontaktsperregesetz und der Abhörpraxis in deutschen Haftanstalten.
Sein selektives Bewusstsein macht es möglich, sich nur das herauszuziehen, was er als Argument gegen die RAF gebrauchen kann. Weiteres Material konnte er mit seinem, einer ähnlichen Sozialisation entsprungenen Kompagnon Uli Edel bei anderen „Zeitzeugen“ sammeln, die schon lange ihren Frieden mit den herrschenden Verhältnissen geschlossen haben. Für Aust, Edel und auch Bernd Eichinger war das damals vor allem „’ne coole Zeit“. Während andere das Geschriebene und Gesprochene beim Wort nahmen und versuchten eine revolutionäre Perspektive zu entwickeln, ging es vielen (wie immer) nur um Party, das eigene Standing und die Coolness „in der Szene“ als Ausgangspunkt für ihre bürgerlichen Karrieren. Anfangs waren sie noch kritische Journalisten, modern wirkende Künstler oder einfache Selbstdarsteller. Vergleichbar einem Rainer Langhans aus der Kommune 1 (8), der immer noch als omnipotenter Eso-Guru, mit Hang zum Nationalen durch Talkshows und Buchläden hüpft und meint über andere Mitstreiter urteilen zu können..

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Einer der wichtigsten, und schon seit Jahren von Aust bezahlten Einflüsterer ist Peter Jürgen Boock, der im Film “Der Baader-Meinhof Komplex“ sowie in vielen Dokumentationen, eine Rolle im Innenleben der RAF spielt, die wenig bis nichts mit der Realität zu tun haben kann. Er ist der misshandelte Heimzögling, der mit Gudrun Ensslin in der Badewanne liegt und mit der zum Monster aufgeblasenen Brigitte Mohnhaupt vögelt. Mit dem Wissen seiner Rolle in den RAF-Dokumentationen und Spiegel-Berichten der letzten Jahre, in der Lügen und Behauptungen stecken, die noch nicht mal von bundesdeutschen Gerichten ernst genommen werden, müsste diese Form von. beispielloser Selbstüberhöhung reichen um viele Fragmente des Films richtig einzuordnen. Doch der Lügenbaron Book verbreitet ungeachtet aller anderen Darstellungen seine Märchen und die filmschauende Bevölkerung wird wie immer für dumm verkauft.

Ein Teil ehemaliger RAF-Gefangener, die direkt mit ihm zu tun hatten, hat sich schon vor Jahren zu Boock geäußert:„Ob Boock mit den Staatsschutzorganen verbunden ist, ist nicht klar, offenbar ist aber er wird geführt – auf der journalistischen Schiene. Boock ist in der Aussteigerriege eine besondere Figur. Er wurde im Gang seiner Betrügereien ein moralisch leerer Mensch. Das macht ihn besonders disponibel für die Bedürfnisse der Staatsschutzpropaganda. Das leere Gefäß in das vieles abgefüllt werden kann. Dazu sein Ticket: Insider (aber nicht zu sehr). Selbst ein Teil der Linken, in der Konsum- und Schlüssellochmentalität zuhause, vermutet in Boocks vielen Storyproduktionen authentisches. Aber da ist nichts. Ein hochgebauter Dom, auf verlogenen Stelzen. Sie ist fast ausschließlich sein Trip. Ware mit der er seine Begnadigung er dealt – auch aus Rache, Projektion und Verachtung gegenüber allem, die ihm auf seinem eigenen Terrain – Schläue – begegnen.“
Im gleichen Text stellen sie vorher klar, dass er die Gruppe (RAF) lange durch Lügen, Drogensucht und Ablehnung eines notwendige Exils in Gefahr gebracht hatte. – weiter im Text, an anderer Stelle:
„Da drängt die gebrochene intellektuelle deutsche Linke zu den Futterdrögen. Sie sind nicht Opfer von Boocks Lügen, es ist ein Arrangement. Alles ist da um die schamlose Unterwerfung unter die Macht zu rechtfertigen.“ (Boock’s Lügen – Konkret, 10/88)

So bestätigte Boock, dass die Gefangenen in Stammheim allesamt den Zeitpunkt und Umstand ihres Todes selbstbestimmen wollten und konnten. Dazu aber später mehr.

DIE DARSTELLER UND IHRE ROLLEN

Bei einem solchen Projekt ist klar, dass verhältnismässig junge Darsteller die Rollen der Protagonisten übernehmen. SchauspielerInnen, die die Zeiten um die es geht nur vom Hörensagen kennen und daher, auch mangels eigenem politischen Bewusstsein das spielen, was die Macher ihnen vorlegen. Deshalb sind die Interviews mit den Akteuren in solchen Geschichtsabhandlungen, von vorn herein von dem geprägt, was ihnen an Ausgangsmaterial vorgelegt wurde. Arbeitsmethoden die auf der Autonomie der Darsteller aufgebaut sind, und diese durch selbstständiges recherchieren einen eigenen Zugang zu den Rollen finden lässt, scheinen gerade in den neuen Historienschinken über das Kriegs- und Nachkriegsdeutschland nicht angesagt.
Bernd Eichinger, Meister dieses Fachs versuchte bereits mit seinem Film „der Untergang“, Adolf Hitler und seinem wahrlich terroristischen Umfeld, durch hochkarätige und vor allem bekannte SchauspielerInnen ein menschliches Antlitz zu geben. Auch deutschnationale Militaristen, wie General von Stauffenberg wurden mittels dieser Rezeptur zu identitätsstiftenden Helden umgeschrieben. Alles für Deutschland, solange es durch reichhaltige staatliche Fördergelder die eigene Kasse füllt. Sein Kunstgriff nun den Adolf Hitler Darsteller Bruno Ganz vom „Führerbunker“ („Der Untergang“) in ein Bonner Beamtenbüro zu versetzen und aus ihm Horst Herold (9), den Terroristenversteher zu machen, blieb wohl wenigen verborgen. Die reale Funktion Herolds bei der Terroristenjagd verschwindet hinter der Fassade des gütigen alten Herren, der seinen Jagdkumpanen Hummersuppe anbietet. Der Unterschied zwischen dem an Realitätsverlust leidenden Adolf Hitler und Horst Herold, der seine Feinde angeblich versteht und zu analysieren weiß, wird zugunsten der BRD ausgespielt. Das soll den geschichtlichen Unterschied zwischen 44-45 und ’77 auf den Punkt bringen. Gar nicht erwähnt bleiben die Journalisten und Politiker, die auf Aufforderung Helmut Schmidt’s über das Erschießen einzelner Gefangener laut nachdenken sollten (10) . Dafür haben sie scheinbar keine Darsteller finden wollen.
Der perfideste Streich ist aber der Auftritt von Moritz Bleibtreu, der Andreas Baader spielt. Edel und Aust geben einem der bekanntesten und für viele coolsten Darsteller im deutschen Kino, ihre machistische Weltsicht und die Mär vom Szenemacker (eine Rolle wie für Bleibtreu geschaffen) auf den Weg. Dazu muss Mensch wissen, dass es von Baader so gut wie kein bewegtes Material gibt. Das Ergebnis sind gespielte Männerphantasien. Und was nicht passt, wird passend gemacht.

WELT ONLINE: Sie spielen eine Figur, an der sich die Wut bündelte, von der es aber kaum authentische Dokumente gibt.
Bleibtreu: Kurz vor Drehbeginn tauchte plötzlich ein Tonbandmitschnitt des Prozesses in Stammheim auf. Da saßen wir alle zusammen in Berlin und haben den angehört: Baader redete, und er redete ziemlich langsam, mit einem leichten Lispeln, und es war ziemlicher Murks, den er erzählte. Man konnte richtig sehen, wie einige Illusionen aus unseren Gesichtern heraus gefallen sind. Ich habe Uli dann gefragt: „Soll ich das soo spielen?!“
Edel: Natürlich nicht! Wir drehten ja keine Komödie!
Bleibtreu: Es wäre unfreiwillig komisch geworden. Als Schauspieler muss man nicht auf Teufel komm raus die Realität neu beleben. Es kommt darauf an, den Geist von einst wieder herzustellen.
(Interview zum RAF-Film: Andreas Baader redete ziemlichen-Murks – Die Welt, 23.09.2008)

Aus Sätzen in RAF-Texten wie „Andreas war für uns immer Orientierung“ macht Aust den Chef und Macker, der Andreas Baader in der Aust’schen Vorstellungswelt nur sein konnte.

„Andreas Baader hatte Eigenschaften, für die ihn ehemalige Linke bis heute hassen: Er griff andere direkt an und hatte einen Riecher für Leute, vor allem für Linksbürgerliche Intellektuelle, die etwas sagten, was sie nicht meinten, oder radikal daherschwätzen, aber nie etwas riskierten.(…). Einige RAF-Frauen rechnen ihm hoch an, das er zwar – neben Meinhof, Mahler, Ensslin – eine der RAF-Autoritäten war, aber nie die Rolle eines Gurus oder Chef’s beanspruchte.(…) Auch Monika Berberich (ehemals RAF) hatte sich in den Diskussionen in Westberlin erst an Andreas Baader gewöhnen müssen: „Er war sehr direkt und völlig unabhängig von Anerkennung. Er hat nie jemanden kritisiert um ihn runterzumachen, sondern um den Widerspruch, zwischen dem, was jemand zu wollen vorgab, und dem, was er tatsächlich gemacht hat aufzuzeigen. Er hatte es nie nötig andere zu erniedrigen, um sich selbst zu bestätigen“ (Jutta Dittfurth, Ulrike Meinhof – eine Biografie)

Genauso wie beim Umgang mit Andreas Baader greifen die Männerphantasien der Filmemacher und Autoren im Film genauso bei den Darstellungen von Gudrun Ensslin und Brigitte Mohnhaupt. Die Angst der Szenemacker von einst, vor selbstbewussten und konsequenten Frauen bläst diese zu rücksichtslosen Monstern auf. Diese werden als schreiende, intrigante und skrupellose mordende „Emanzen“, dargestellt. Frauen, die nur ihre Selbstbestimmung im Kopf hatten. Ein Frauenbild, das zeigt warum einige Typen sich nach 68 recht schnell vom Acker gemacht haben, wenn es darum ging sich selbst zu hinterfragen und die eigenen Denk- und Rollenstrukturen zu verändern. Er ist nur Schade, dass es scheinbar auch den SchauspielerInnen mehr ums dabei sein geht, als um Profession. Eine feingeistig wirkende Schauspielerin wie Martina Gedeck, die (laut Interviews) Waffen hasst, soll dann auch die richtige für die Rolle der Ulrike Meinhof sein..

Martina Gedeck wird in ihrer Rolle als Ulrike Meinhof – mit perfider Absicht als verletzliche Intellektuelle, die von der RAF in die Gewalt getrieben und später fallen gelassen wird inszeniert. Sie ist auch die einzige, die im Film, als durch die Folter der Isolationhaft verletzte, gezeigt wird. Das Bild und die Bewunderung, die viele bürgerliche Linke (bis in die Mainstream-Medien hinein) damals für Ulrike Meinhof hatten, soll sie innerhalb der RAF zum Opfer machen. Mensch soll sie nicht in einen Topf mit dem „Rest“ der RAF werfen. Da scheint es dann auch nur Konsequent wenn die Filmemachen ihren Tod der RAF in die Schuhe zu schieben statt den Berichten unabhängiger Untersuchungskommisionen nachzugehen die eindeutig von einem Tod durch Fremdverschulden (also Mord im Staatsgefängnis)ausgehen.

DIE MACHART DES FILMS

Regisseur Edel betonte, das ihm Authentizität wichtig gewesen sei und er keinerlei Nostalgie-Gefühle aufkommen lassen wolle. Ihm sei es auch darum gegangen, die Mythologisierung der RAF zu zerstören. So habe er die Kameras bei dem Schleyer-Attentat bewusst aus der Sicht der Opfer angeordnet. „Ich brachte die Kameras auf die Seite der Opfer, damit wir sehen, was die Opfer sehen.“
Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ machte den Film, der auf einem Buch des früheren „Spiegel“-Chefredakteurs Stefan Aust beruht, in der vergangenen Woche zum Titelthema. Es sei ein sehr drastischer Film. „Sie werden sehr viel Blut sehen, sehr viel Schmerz in krassen Bildern“, hieß es im „Spiegel“
(„Wir mussten schonungslos sein“ – FR,14.09.)

Dass die Darstellung aus der Opferperspektive, wenig mit der Realität zu tun hat, zeigt sich am eindeutigsten an der Kritik, die es von Opferseite an dem Film gibt. So erregte sich die Witwe Ponto’s über die voyeuristische und realitätsfreie Darstellung der versuchten Entführung und Ermordung ihres Mannes im „Baader Meinhof Komplex“. (Ponto-Witwe gibt Verdienstkreuz zurück – FR,07.10.2008). Der pseudodokumentarische Ansatz des Films, der die damalige Realität z.B. durch das Einsetzen der Filmfiguren in die gezeigten Nachrichtenschnipsel Authentität vermitteln soll zeigt schon viel über die propagandistische Absicht der Macher. Realität und Fiktion werden dermaßen vermischt, dass der Zuschauer Schwierigkeiten bekommt, beides Auseinander zu halten. Erst dadurch wird ein Realitätsbezug vermittelt, den der Film für seine Glaubwürdigkeit braucht. Einlösen kann er diesen jedoch nicht. Die Auswahl von Szenen und dazu passend gemachten Realitätsfetzen nutzt das Unwissen der meisten Konsumenten über geschichtliche Abläufe und Diskussionsprozesse geschickt aus, um den Zuschauern die eigene Sichtweise aufzudrücken. Die Darstellung der blutig aufgeführten Ballereien sind reine Effekthascherei – also Propaganda. So ist das angebliche Erschrecken des Polizisten über die Tatsache eine Terroristin (Petra Schelm alias Alexandra Maria Lara) erschossen zu haben, ein Beispiel für diese Herangehensweise. Schliesslich wurden mehr als ein Dutzend mutmaßliche RAF-Mitglieder und auch „Unschuldige“ von Polizisten (teilweise) gezielt bei Festnahmesituationen getötet. Das als Gemetzel dargestellte Vorgehen bei der Entführung H.M. Schleyers, dessen Vorgeschichte als SS-Mann in Böhmen und Mähren, und dessen Machtstellung als Arbeitgeberpräsident geflissentlich weggelassen wurde (11), entspringt eindeutig einen von Boocks Märchen. Das gleichzeitige Weglassen, der 1972 während der Olympiade in München „Befreiungsaktion“ der israelischen Geiseln in Fürstenfeldbruck (12), die eines der grauslichsten Ballereien jener Tage war, zeigt wer gewalttätig gezeigt werden sollte und wer nicht. Eine deutsche Polizeieinheit ballerte ohne Rücksicht auf Verluste mit allem was sie zur Verfügung hatten. Dadurch kamen nicht nur die palästinensischen Geiselnehmer, sondern auch die meisten der Geiseln ums Leben. Abgeleitet aus diesen Erfahrungen, für dessen Ergebnis nie jemand zur Rechenschaft gezogen wurde, wurde danach die GSG 9 ins Leben gerufen. Doch nicht nur an diesem Punkt „besticht“ der Film durch die Kunst des Weglassens. In der heißesten Phase der Studentenrevolte um den Vietnamkongress herum, gab es u.a. durch den im Film dargestellten Aufruf zur Sabotage von Dutschke, eine breite Auseinandersetzung über Militanz und bewaffneten Kampf. Zeitgleich entstand aus verschiedenen anarchistisch orientierten kleineren Sabotagegruppen die „Bewegung 2. Juni“(13), die schon durch ihre Namensgebung ausdrückte, dass der Staat zuerst geschossen hat (Ermordung Benno Ohnesorgs durch den Polizisten Kurras).

Es gab aus den Erfahrungen und dem Wirken der antiautoritären Bewegung innerhalb der Studentenrevolte die Vorstellung und das Bedürfnis für eine Organisierung in gleichberechtigten Kollektiven, ohne Chefs. Es gab die Vorstellung das Kinder nicht der Besitz der Eltern sind, sondern dass ihre Entwicklung vom Kollektiv getragen wird. Stefan Aust, der sich rühmt die Kinder Ulrike Meinhofs aus den Händen der Mutter und ihrer Vertrauten befreit zu haben, konnte sich das damals und kann sich das auch heute nicht als etwas erstrebenswertes vorstellen. Er nahm damit die Position des gekränkten und mittlerweile zum Rechtspopulisten und 68er-Hasser K.R. Röhl (14) mutierten ein. Und dass zu einem Zeitpunkt in dem sich Ulrike Meinhof, aus der Illegalität heraus, um eine von der Guerilla unabhängige Zukunft für ihre Kinder bemühte. Die Story von der geplanten Überführung der Kinder in palästinensische Hände, hat er Peter Homann (im Film gespielt von Johann Liefers) zu verdanken, genauso wie die Gruselgeschichte des sogenannten Volksgerichts gegen ihn (Homann). Im Grunde genommen projeziert er und der Rest der Macher und Einflüsterer, in und um diesen Film, die eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten auf die RAF. Gezielt wird das Sinnen nach hierarchiefreien Strukturen und kollektiven Bewusstsein negiert. Nach dem Motto: Es darf nicht sein, was nicht sein darf.

STAMMHEIM

Apropos. Damals schrieb der Pflasterstrand (ein links-alternatives Stadtmagazin aus Ffm):
»Wir schrecken zurück vor der Mordthese, die – wie auch immer im Detail– eine verdammt ernste Konsequenz hätte.« und weiter: »Mord: das hieße, daß es in der BRD zumindest gegenüber bestimmten Gruppen offenen Faschismus gibt und das heißt, daß wir endgültig und absolut nicht so weiterleben können wie bisher.«

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Aus diesen, aus der ersten Betroffenheit formulierten Sätzen, ergibt sich deutlich, warum damals nicht sein durfte, was wirklich war. Eine ganze Generation, gestartet mit hehren Zielen – mittlerweile auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft – hätte die ganze Grundlage ihrer Existenz in Frage stellen müssen. Die amnestierten Studierenden, die „freien“ bzw. fortschrittlichen Journalisten und viele andere Alt-68er hätten nicht so weitermachen können wie bisher. Auch ein Aust nicht. Im Ausland waren die Zeitungen und auch große Teile der noch aktiven Linken sich darüber bewusst , was geschehen war. Der Unterschied war, dass sie es schreiben, publizieren und herausschreien konnten, ohne für die gemachten Aussagen über die Verhältnisse in der damaligen BRD Angst vor Strafverfahren, Berufsverbote und Terroristenhetze haben zu müssen…
Die italienische Linke veröffentlichte einen Appell, der von zahlreichen Tageszeitungen übernommen wurde.
In diesem Appell heisst es u.a.:
„Wir haben es mit einem Mord an eingesperrten und wehrlosen Männern und Frauen zu tun oder – was für einen Staat noch schlimmer wäre – mit einer bewussten Anstiftung zum Selbstmord. Wir haben es zu tun mit einer „Endlösung“, mit einer Vernichtungsaktion.“ Dieser Appell wurde von rund 1.000 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens unterschrieben darunter auch Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir.“ (il manifesto, 19.10.77)

Die Angst vor der Konsequenz der eigenen Geschichte erschreckte und lähmte große Teile der „Nach 68er-Linken“ so, dass viele lieber die Mär von den Selbstmorden fraßen. In zweifelhafter Weise bewundernswert scheint nur mit welcher Sammelwut und mit wieviel Fantasie Aust, schon im dem Buch “Der Baader Meinhof Komplex“ und auch in seinem Doku-Flop: „Die RAF“ ,sich ein Gedankengebilde zusammen bastelt, welches belegen soll, dass sich alle „geselbstmordet“ haben sollen. Bei Ulrike Meinhof sollen es Isolationshaftbedingungen und Gruppendruck gewesen sein. Aus den heute noch schriftlich nachvollziehbaren, der Situation entsprechend hart geführten Diskussionen zwischen den Gefangenen, über politische Inhalte, die eigene Identität und das was der Knast ,inklusive Isolationsfolter, aus einem macht, strickt Aust im Buch, sowie auch Edel im Film, den Mythos von den unbarmherzigen Kämpfern, die ihre GenossInnen reihenweise abwatschen und in den Selbstmord treiben. Alle anderen RAF-Mitglieder, die in Stammheim ums Leben kamen, sollen sich, wie auf Befehl auf die seltsamsten Art und Weisen selbst gerichtet haben. Andreas Baader zum Beispiel per Genickschuß auch 10cm Abstand. So wirkt auch das technische Kommunikationssystem oder die Art und Weise, wie Waffen in die Knäste kamen nicht gerade glaubhaft. Wer sich einmal eingängig und weniger einseitig mit der Situation damals (Zellenrazzien, dauernde Umverlegungen, das Filzen und Abhören von Anwälten und den kontaktierten Gefangenen) befasst hat, bekommt eine Ahnung von dem Ausmaß der Aust’schen Lügengeschichten, die er sich, wenn nötig von Boock und anderen, bestätigen ließ. Die Umdeutung, der mittlerweile als Tonbandprotokolle vorliegenden Prozeßschnipsel mit O-Tönen von Baader, Meinhof und Ensslin aus dem Stammheim-Prozeß, zum Nutzen der eigenen Interpretation wird zum Selbstzweck Aust’scher Logik. Er nutzt Massenmedien, diese – seine – Geschichte als Realität zu verkaufen. Dabei werden die Aussagen real Beteiligter einfach unter den Tisch gekehrt – weil sie nicht ins Konstrukt passen. So bestreitet die ehem. RAF-Gefangene Irmgard Möller, die insgesamt über 20Jahre im Knast saß und in der Nacht vom 18.10.’77 mit mehreren Messerstichen in Brust und Bauch gefunden wurde, nach wie vor vehement einen Selbstmordversuch. (15) Andere, die damals in der RAF organisiert waren und dies genauso überlebten wie lange Jahre Haft schreiben Klartext:
Wichtiger ist mir aber, daß wir Selbstmord als Entscheidung oder Mittel in unserem Kampf immer abgelehnt haben. Eine »Diskussion über Selbstmord« hat es in der Gruppe nicht gegeben, weil bei uns Politik und persönliche Identität in eins gesetzt waren, bestimmt an den politischen Zielen, in der Gefangenschaft wie in der Illegalität. Im Knast ist das nur noch schärfer: Da lät du dich nicht so einfach kleinkriegen, machst es dem Apparat so schwer wie nur möglich. Aufstehen, weiterkämpfen, leben, Widerstand – die »Waffe Mensch«. Oder wie Gudrun schrieb: »Wir können gar nicht damit aufhören, die Verhältnisse vom Kopf auf die Füße zu stellen, haben erst angefangen.
Von Seiten des Staates wurde seit den Anfängen der RAF kein Geheimnis daraus gemacht, daß die Bande aufgerollt und ihre Schlüsselfiguren ausgeschaltet werden müßten. Da sollten ausgerechnet die, die für uns am meisten Orientierung waren, sich selbst umgebracht, die Gruppe ohne Kader gelassen, den Bullen die Arbeit abgenommen haben? Die Konstruktionen und Interpretationen, die es dazu inzwischen gibt, lassen sich überhaupt in keine einzige politische Bestimmung einpassen. Leute wie Ulrike und Andreas hätten es dem Staatsschutz nie so leicht gemacht, sich selbst aus dem Weg zu räumen. (…)
Abgesehen von der militärischen Niederlage in den festgefahrenen Geiselnahmen, hat die Situation 1977 politisch noch für die RAF gewirkt. Alles sprach damals für Kontinuität. Die Gefangenen waren intensiv beschäftigt mit den Verfahren, mit den Texten, die veröffentlicht werden sollten, und mit internationalen Diskussionszusammenhängen, in denen sie auch ein Stück Verantwortung hatten. Egal welche Perspektive eingenommen wurde – rauszukommen oder nicht – unser Kampf ging einfach weiter. Jeder und jede hatte dazu auch Lust. Wir sahen uns in einem Prozeß, in dem der Kampf in der Gefangenschaft eine sich noch potenzierende Wirkung erzeugt hatte – eine Wirkung, die kurz- oder langfristig durch einen Selbstmord nur in Desorientierung gekippt wäre.
(Ron Augustin, „Der zweite Tod“– jW,10.09.2007)

Fazit: EINE ZEITGEMÄSSE LÜGENGESCHICHTE

Eins muss mensch den Machern lassen. Der Film passt in die Zeit. Die Selbstabwicklung der 68er ist scheinbar in seiner Endphase angelangt . Ohne Aust’s Lügen hätten andere, früher linksradikale Zeitzeugen, wie Kraushaar (16) und Götz Aly (17) ihre scheinwissenschaftlichen Abhandlungen über die scheinbar reaktionäre Grundhaltungen und Autoritätsfixierungen (Nazivergleiche en masse) nicht so gut verkaufen können. Die Distanzierung von der RAF, die bei vielen auch zur Revision der eigenen Zielsetzungen werden musste, war der Türöffner für Grüne ehemalige „Studentenführer und Revolutionäre“ wie Daniel Cohn-Bendit (18) und Ex-Außenminister Joseph (Joschka) Fischer. Viele als RAF-Mitglieder verurteilte und durch Haftbedingungen gefolterte verrieten aus Angst vor weiterer Traumatisierung ihre ehemaligen GenossInnen, auf die eine oder andere Weise. Einige wie Boock wurden gekauft und verdienen ihr Geld mittlerweile damit, gerade das zu erzählen was Produzenten und Geschichtsschreiber wissen wollen – natürlich ungeachtet eines Wahrheitsgehaltes. Viele „einfache“ Menschen, Lehrer, Beamte hatten Angst um ihre bürgerliche Existenz und fanden keine positiven Beispiele in den vielen öffentlich wahrnehmbaren Gestalten, die es ohne Mitwirkung bei der Studentenrevolte und den daraus folgenden Kämpfen nie zu öffentlichen Ansehen gebracht hätten. Kreative Potentiale, die sich damals Entfalteten wurden durch Geld und Festanstellungen kanalisiert und korrumpiert.

Die SchauspielerInnen (bzw. Die DarstellerInnen des Films) suchen, wie die letzten Historienschinken zeigen, eher die kritiklose Auftragsarbeit, statt sich autonom an Personen und die Geschichten darum anzunähern. Statt selbst zu denken reproduzieren sie die staatstragenden Fiktionen eines Eichingers, dem Selbstdarstellung und das Abgrasen von Fördergeldern wichtiger ist, als eine offene (kreative) Herangehensweisen an historische Stoffe zuzulassen. Nachfragen bei Anderen, damals Beteiligten sind nicht erwünscht. Sicher werden die Darsteller durch öffentlich rechtliche Einflüsterer zu dem gebracht, was sie zu Denken und darstellerisch umzusetzen haben. Der „neue“ deutsche Film ist durch Leute wie Eichinger (Stauffenberg, Der Untergang usw.) und von Donnersmark (Produzent des Films „Das Leben der Anderen“) zum Anhängsel staatstragender Geschichtsverfälscher geworden.

Ein weiterer wichtiger, von mir bisher nicht benannter Fakt, ist das Regierungsstellen der heutigen BRD – die Geheimdienste, Polizei- und Justizapparate, sowie involvierte Geheimdienste anderer Staaten, auf einem Berg von Akten sitzen, die Licht ins Dunkle bringen könnten. Im Gegensatz zur Aufarbeitungswut im Umgang mit der DDR-Vergangenheit, namentlich der Staatssicherheit (Stasi) und der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) tendiert das Interesse über eine Aufarbeitung der geschichtlichen Fakten des damals Geschehenen gegen null. Zahlreiche Anfragen von JuristInnen und JournalistInnen im Bezug auf Stammheim und die RAF-Gefangenen, aber auch die großflächige Verfolgung der sogenannten „Symphatisantenszene“ sind, wegen der Nichtherausgabe von Beweismaterialien bisher im Sande verlaufen. Dies gilt aber nicht nur im Zusammenhang mit der RAF. Selbst auf den Akten zu den polizeilichen Maßnahmen im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um die Startbahn West liegt eine 30jährige Sperrfrist. Diese reicht um die damals Verantwortlichen bis zu ihrer Pensionierung zu schützen. Im Umkehrschluss auf die derzeitigen Argumentationen des Innenministeriums im Bezug auf ihre Überwachungspolitik muss die Frage erlaubt sein: „Was hat dieser Staat zu verbergen, dass er der Öffentlichkeit jeden Zugang zu Materialien verwehrt, die zur Aufklärung polizeilicher und geheimdienstlicher Tätigkeiten beitragen könnten?“

Heute in einer Zeit, die durch ein Aufflammen von Klassengegensätzen, Ausbeutung und Krieg gekennzeichnet ist, scheint die Geschichte der RAF weiter weg, denn je. Eine öffentliche Auseinandersetzung mit politischen Realitäten, die Suche nach Alternativen zu dem sich immer mehr selbst diskreditierenden Normalzustand scheint vielen aussichtslos. Kleine Aufstände, Massenproteste, wie die gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm, ersticken an ihrer Folgenlosigkeit. Eine Bewegung, die aus den scheinbar in Beton gemeißelten Verhältnissen ausbricht, das ALLES nicht mehr fressen will und die konsequente Solidarität mit anderen sucht, die weltweit um ein besseres Leben kämpfen ist zwar in Ansätzen vorhanden, aber ohne gesellschaftliche Durchschlagskraft. Doch der repressive Staatsapparat besteht weiter und hat sich , gerade aus den damals gemachten Erfahrungen, zu einem präventiven Sicherheitsstaat entwickelt. Die Paragrafen §129ff.(19), die Perfektionierung der Isolationshaft und die im Aufbau befindliche allumfassende Überwachung sind nur die greifbarsten Ergebnisse staatlicher Paranoia. Dazu gehört aber auch die Steuerung der medialen Aufarbeitung der Vergangenheit durch Filme wie „Der Baader Meinhof Komplex“. Im Umgang mit diesem kann das nur heißen, das möglichst viele Menschen, sich ein anderes Bild der Geschichte anzueignen, ohne darauf zu hören, was einem Staatsbüttel und ihre Medien verkaufen wollen.

Wovor fürchtet sich die herrschende Klasse – Nun wird es uns klarer, warum der Produzent ums Verrecken nicht zeigen will, „warum sie es tun“. Nämlich weil sie die damaligen Zustände nicht akzeptieren wollten und darauf eine praktische, revolutionäre Antwort vorschlugen. Diese Antwort fürchtet die herrschende Klasse wie nichts anderes. Dies vor allem deshalb, weil viele Leute heute die gleichen Fragen haben wie damals. Fragen nach einer Welt ohne Kriege und Miseren. (Wandzeitung in Zürich zum Kinobeginn in der Schweiz, Okt.’08)

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Die Macher des Films:
Stefan Aust, Uli Edel, Bernd Eichinger.

Begriffserklärungen:
(1) Antagonismus (griech., »Widerstreit«), der Widerstand zweier entgegengesetzter Kräfte gegeneinander. Antagonist, Widersacher, Gegner. (Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 563.)
„Marx hat die Antagonismen auf den antagonistische Form der Produktionsverhältnisse zurückgeführt und Lenin die Unterscheidung von Widerspruch und Antagonismus festgelegt; in deren Gefolge ist Antagonismus- vorzüglich im Hinblick auf den Klassenkampf – als derjenige Kampf der Gegensätze zwischen Altem und Neuem definiert worden, der auf dem Wege der Gewalt zu entscheiden ist (…) “ aus Historische Dialektik von Wolfgang Janke .
Siehe auch : »Protest ist, wenn ich sage, das und das paßt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß das, was mir nicht paßt, nicht länger geschieht. Protest ist, wenn ich sage, ich mache nicht mehr mit. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß alle andern auch nicht mehr mitmachen.« (Ulrike Meinhof, Vom Protest zum Widerstand 1968)
(2) konkret ist eine 1957 gegründete deutsche Zeitschrift, die – mit einer Unterbrechung Anfang der 1970er Jahre – bis heute erscheint. Die monatlich erscheinende „Zeitschrift für Politik und Kultur“ vertritt weit links angesiedelte Positionen; während sie selbst sich als „einzige linke Publikumszeitschrift Deutschlands“ versteht, wird sie vom Verfassungsschutz dem „undogmatischen Linksextremismus“ zugeordnet.Viele Autoren vertreten zudem explizit antideutsche Standpunkte.
(3) Jean-Paul Sartre (* 21. Juni 1905 in Paris; † 15. April 1980 in Paris; vollständiger Name Jean-Paul Charles Aymard Sartre) war ein französischer Schriftsteller und Philosoph. Der politisch engagierte Verfasser zahlreicher Romane, Erzählungen, Dramen, Essays und philosophischer Werke gilt als der bedeutendste und repräsentativste französische Intellektuelle des 20. Jahrhunderts.
(4) Frantz Fanon, (* 20. Juli 1925 in Fort-de-France, Martinique; † 6. Dezember 1961 in Washington D.C.) war ein Psychiater, Politiker, Schriftsteller und Vordenker der Entkolonialisierung.
(5) Herbert Marcuse (* 19. Juli 1898 in Berlin; † 29. Juli 1979 in Starnberg) war ein deutsch-amerikanischer Soziologe und Philosoph.
(6) Theodor W. Adorno (* 11. September 1903 in Frankfurt am Main; † 6. August 1969 in Visp, Schweiz) war ein deutscher Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist
(7) siehe: Stefan Aust: Kennwort 100 Blumen – Verwicklung des Verfassungsschutzes in den Mordfall Ulrich Schmücker. Konkret Literatur Verlag, Hamburg 1980. ISBN 3-922144-04-7
(8) Die Kommune I (K1) war die erste politisch motivierte Wohngemeinschaft in der Bundesrepublik Deutschland. Sie wurde am 12. Januar 1967 in Berlin gegründet und löste sich im November 1969 endgültig auf. Die Kommune I entstand aus der außerparlamentarischen Opposition der Studentenbewegung. Sie war gedacht als Gegenmodell zur bürgerlichen Kleinfamilie, als Reaktion auf eine Gesellschaft, die von der Kommune als sehr konservativ eingeschätzt wurde.
(9) Horst Herold (* 21. Oktober 1923 in Sonneberg, Thüringen) war Richter am Landgericht Nürnberg, Polizeipräsident von Nürnberg von 1967 bis 1971 und Präsident des Bundeskriminalamtes von 1971 bis 1981.
(10) siehe z. Bsp.: Christiane Schneider (Hrsg.): Ausgewählte Dokumente der Zeitgeschichte: Bundesrepublik Deutschland (BRD) – Rote Armee Fraktion (RAF). Verlagsgesellschaft Politische Berichte, Köln 1987, ISBN 3-926922-00-1
(11) Hanns Martin Schleyer (* 1. Mai 1915 in Offenburg; † 18. Oktober 1977 bei Mülhausen, Frankreich) war ein deutscher Manager und Wirtschaftsfunktionär. Er war von 1973 bis 1977 deutscher Arbeitgeberpräsident und Vorsitzender des BDI.
Nach Mitgliedschaft in der Hitler-Jugend ab 1931 wurde er am 1. Juli 1933 Mitglied der SS. Während des Studiums engagierte er sich in der NS-Studentenbewegung und fand im Heidelberger Studentenführer und späteren Gauleiter Gustav Adolf Scheel einen ersten wichtigen Mentor. Schleyer wurde Funktionär in der nationalsozialistischen Studentenschaft. Er trat am 1. Mai 1937 in die NSDAP ein und wurde ab dem Sommersemester des selben Jahres Leiter des Heidelberger Studentenwerkes. 1938 beendete er sein Studium mit dem ersten juristischen Staatsexamen. Nach dem Anschluss Österreichs war er ab dem Sommersemester 1938 auf besonderen Wunsch Scheels, mittlerweile Reichsstudentenführer, Leiter des Studentenwerks in Innsbruck. 1939 erfolgte dort seine Promotion zum Dr. jur. nach österreichischem Recht. Seit Sommer 1940 leistete er seinen Wehrdienst in der Endphase des Westfeldzugs und danach im besetzten Frankreich ab, aus dem er wegen einer im Herbst 1940 erlittenen Verletzung schon im Mai 1941 als dienstuntauglich entlassen wurde.
Im Juli 1941 übernahm Schleyer die Leitung des Studentenwerks der Universität in Prag. Am 1. April 1943 trat er als Sachbearbeiter in den Zentralverband der Industrie für Böhmen und Mähren ein. Der Verband war u. a. für die „Arisierung“ der tschechischen Wirtschaft und die Beschaffung von Zwangsarbeitern für das Deutsche Reich zuständig. Hier wurde er dann später Leiter des Präsidialbüros und persönlicher Sekretär des Präsidenten Bernhard Adolf.
Anfang Mai 1945, bei oder kurz vor Ausbruch des tschechischen Aufstandes, verließ Schleyer Prag und floh zu seinen Eltern nach Konstanz. Hier wurde er am 18. Juli 1945 vom französischen Militär verhaftet und kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Er blieb drei Jahre lang in Baden interniert, da er innerhalb der SS einen Offiziersrang (Untersturmführer, das entspricht dem Range eines Leutnants) bekleidet hatte. Am 24. April 1948 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Im Entnazifizierungsverfahren wurde er zunächst als Minderbelasteter eingestuft. (Wikipedia)
(12) siehe: de.wikipedia.org
(13) siehe: nadir.org
oder:
Ralf Reinders, Ronald Fritzsch: Die Bewegung 2. Juni. Gespräche über Haschrebellen, Lorenz-Entführung und Knast. Edition ID-Archiv, Berlin 1995, ISBN 3-89408-052-3
(14) Klaus Rainer Röhl (* 1. Dezember 1928 in Trockenhütte / Freistaat Danzig) ist ein deutscher Journalist und Publizist.Der Studentenkurier, der Vorläufer der konkret, wurde 1955 von Klaus Rainer Röhl gegründet.Weihnachten 1961 heirateten Röhl und Ulrike Meinhof. Nachdem die SED als heimlicher Geldgeber immer stärker versuchte, Einfluss auf die Redaktion zu nehmen, kam es schließlich im Frühjahr 1964 zum Bruch. Die SED gab kein Geld mehr für die Druckerei und forderte die sofortige Einstellung der Zeitschrift. Doch Röhl widersetzte sich und führte konkret in eigener Verantwortung weiter.
Als nunmehr unabhängige sozialistische Zeitschrift erreichte konkret schon 1965 eine Auflage von 100.000 verkauften Exemplaren und wurde 1967 zum führenden Publikationsorgan der neuen außerparlamentarischen Studentenbewegung, der APO. 1967 erschien das Blatt 14-tägig und hatte seine höchste Auflage (176.000 verkaufte Exemplare).1974 zog sich Röhl von konkret zurück nachdem er die Zeitschrift zur Wichsvorlage runterwirtschaftete. 1981 übernahm er die zeitweise als größte Konkurrenz von konkret geltende Zeitschrift pornografische Zeitschrift Spontan. Schließlich promovierte er 1993 bei dem Historiker Ernst Nolte (FU Berlin).Röhl trat 1995 der FDP bei. Er gehört zum nationalliberalen Flügel der Partei um Alexander von Stahl, Heiner Kappel und Rainer Zitelmann („Liberale Offensive“), die die FDP in den 1990er Jahren in Richtung von Haiders FPÖ verändern wollten.Zuletzt tauchte sein Name als Referent des verhinderten rechtsradikalen Anti-Islamisierungsgipfels in Köln auf. Zudem schrieb er viele revisionistische Artikel und Bücher.
(15) weiteres zu Stamheim: siehe „Ausgewählte Literaturliste“
(16) Wolfgang Kraushaar (* 2. September 1948) ist ein deutscher Politikwissenschaftler am Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS). Seit 1981 ist er Mitglied in der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler.
(17) Götz Haydar Aly (* 3. Mai 1947 in Heidelberg) ist ein deutscher Historiker und Journalist mit den Themenschwerpunkten Euthanasie, Holocaust und Wirtschaftspolitik der nationalsozialistischen Diktatur
(18) Daniel Cohn-Bendit (* 4. April 1945 in Montauban, Frankreich) ist ein deutsch-französischer Politiker (Bündnis 90/Die Grünen und Les Verts) und Publizist. Er ist Mitglied des Europäischen Parlaments
(19) §129a = Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ist der Begriff, unter dem der im (§129a) StGB dargelegte Straftatbestand „Bildung terroristischer Vereinigungen“ allgemein bekannt ist. Der Straftatbestand wurde 1976 im Zuge der Terrorismusbekämpfung in das StGB aufgenommen und führte den Begriff „Terroristische Vereinigung“ als Rechtsbegriff ein. 129a StGB ist Bestandteil eines von Kritikern als Lex RAF bezeichneten Gesetzesbündels, das mit besonderem Bezug auf die Rote Armee Fraktion (RAF) erlassen wurde.
siehe: de.wikipedia.org und www.freilassung.de

Das Buch zum Film:
Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex. Hoffmann und Campe, Hamburg 1985. ISBN 3-455-08253-X (erweitert und aktualisiert: 1997, ISBN 3-455-11230-7; Taschenbuchausgabe 1998, ISBN 3-442-12953-2; völlig überarbeitete und ergänzte Neuausgabe 2008, ISBN 978-3-455-50029-5)

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Ausgewählte Literatur zum Text:
*Christiane Schneider (Hrsg.): Ausgewählte Dokumente der Zeitgeschichte: Bundesrepublik Deutschland (BRD) – Rote Armee Fraktion (RAF). Verlagsgesellschaft Politische Berichte, Köln 1987, ISBN 3-926922-00-1

*Pieter Bakker Schut: Stammheim. Der Prozess gegen die Rote Armee Fraktion., Neuer Malik Verlag, Kiel 1986, ISBN 3-89029-010-8; als NA unter dem Titel: 20 Jahre Stammheim – Die notwendige Korrektur der herrschenden Meinung., Pahl-Rugenstein, Bonn 1997, ISBN 3-89144-247-5; 2. bearb. Aufl. 2007, ISBN 978-3-89144-247-0, (Rezension von Klaus Croissant)

*Pieter Bakker Schut, Dokumente (Stammheim) / Das Info. Briefe der Gefangenen aus der RAF 1973–1977, Malik Verlag 1987, ISBN 3890290191

*Pieter Bakker Schut (Hrsg.): Todesschüsse, Isolationshaft, Eingriffe ins Verteidigungsrecht. Verlag Rote Säge, Berlin 1995, ISBN 3-931591-00-X

*Ulf G. Stuberger (Hg.): In der Strafsache gegen Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin wegen Mordes u.a. – Dokumente aus dem Prozess.. Europäische Verlangsanstalt Hamburg, 2. Aufl. 2007 (1. Aufl. Syndikat Buchgesellschaft, Frankfurt am Main 1977), ISBN 978-3-434-50607-2

*Jutta Ditfuth: Ulrike Meinhof. Die Biografie. Berlin: Ullstein 2007 ISBN 978-3-550-08728-8

*Der Tod Ulrike Meinhofs. Bericht der Internationalen Untersuchungskommission. iva-verlag, Tübingen, 1979, ISBN 3-88266-012-0 (Neuaufl.: Unrast Verlag, Münster 2001, ISBN 3-897-71952-5)

*Gudrun Ensslin u.a.: Zieht den Trennungsstrich jede Minute – Briefe an ihre Schwester Christiane und ihren Bruder Gottfried aus dem Gefängnis 1972-1973. (2005); Herausgeber von Christiane Ensslin und Gottfried Ensslin; Konkret Literatur Verlag Hamburg, ISBN 3-89458-239-1

*Oliver Tolmein: „RAF – Das war für uns Befreiung“. Ein Gespräch mit Irmgard Möller über bewaffneten Kampf, Knast und die Linke; Hamburg: Konkret-Literatur-Verlag, 20023; ISBN 3-89458-149-2

*Peter Hein: Stadtguerilla und bewaffneter Kampf in der BRD und Westberlin. Eine Bibliographie. Edition ID-Archiv im Internationalen Institut für Sozialgeschichte (IISG), Amsterdam 1989, ISBN 3-89408-102-3

*Jan Carl Raspe – Zur Sozialisation proletarischer Kinder, Stroemfeld Verlag, ISBN: 3-87877-037-5 (schnell bestellen, da Verlag von Pleite bedroht)

Zusätzlich lesenswerte Artikel:
*Zweifel an der „Selbstmordbehauptung“ (von Peter Nowak)
*Der erste Stammheim-Prozess (Gefangenen Info324)
*Mit äußersten Mitteln – Frantz Fanon klärte die 68er über die Gewalt in der kolonisierten Welt auf (jW,4.10.2008)
*Illegalität und Kinder – War Ulrike Meinhof eine schlechte Mutter (ND, 1.12.2007):
* weitere Artikel, auf die sich der Text bezieht unter
*Webressource mit allen Original-Texten der RAF
*Weitere Links zum Thema
*Herbstmelodien ’77 und Baader Meinhof Muzak von diesem Blog

Basken fordern Freiheit: EUSKADI MUZAK MANIFEST

Musik baskischer Widerstandskultur aus den letzten 20Jahren.

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EUSKADI MUZAK MANIFEST – download, zip-datei (90mb)

01. Fermin Muguruza -Dub Manifest (Rude Rmx)
02. Bad Sound System – Herri dixa
03. Joxe Ripiau – Armen Kultuaren Aurka
04. Negu Gorriak – Gora Herria
05. Kortatu – la cultura
06. Sagarroi – Beldurrik gabeko emakumeak
07. The Solanos – Etorkizuna zai dut
08. Etzakit – Goiz Edo Noiz
09. Betagarri – Hamaika
10. Betagarri – L‘estaca
11. Joxe Ripiau – Ijitoen Estigma
12. Skunk – Eperra
13. The solanos – Matattoio
14. Etzakit, Ixiar Oreja & Fermin Muguruza – Egina
15. Fermin Muguruza – La Línea Del Frente
16. Sagarroi – Istorio bakarra
17. King Mafrundi – Babel Dorrea
18. Radici nel Cemento – Guns of Brixton – Brixtongo pistolak(Remix)
19. Mungos Hifi – Dia de dub (Sorkun eta Bad Sound System)
20. Anari – Postariarena
21. Oskorri – Argi Oilarrak

* compiled by MeckieMesserMuzak

Webtipp: Auf dieser Seite findet ihr (fast) alles was sich in den letzten Jahrzehnten an baskischer Musik entwickel habt von Punkrock, Ska, Reggae, Dub, Rockmusik und Folklore. Alles was die baskische Widerstandskultur ausmacht inklusive ihre Lebensfreude, ihre ureigene Sprache und zur Revolte auffordenden Texte: ekaitzaldi.blogspot.com

Mehr Infos @
Basken fordern Freiheit – Für das Recht auf demokratische Entfaltung aller politischen Projekte im Baskenland!
Basken fordern Freiheit – Literaturtipps




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