Archiv für November 2008

Muzak of Resistance: Grup Yorum

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Die aus der Türkei stammende Gruppe Yorum formierte sich in den 1980er Jahren- in einer Zeit, die gekennzeichnet war von den Folgen des militärischen Putsches, der das Land und das Volk in eine systematische Entpolitiserungspolitik zog. Die politisch angespannte Lage in der Türkei brachte allerdings einen breiten Widerstand hervor, der sich u.a. auch in den Universitäten organisierte. Inmitten dieser Widerstandsbewegung, im Jahre 1985, entstandt in
Mitgliedern und Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren. Dennoch, die Gruppe Yorum blieb trotz massiver Angriffe, bei ihrer politischen Linie. Ihre Stimme und ihre Lieder klangen weiter bis ins tiefste Anatolien.

Die Gruppe Yorum singt, neben türkisch, ebenso in kurdischer, arabischer und tscherkesischer Sprache.

Ihre Lieder handeln von der anti-faschistischen und antiimperialistischen Bewegung, von den Morden und Foltern in den Staatsgefängnissen und von den Folgen der Naturkatastrophen, die das Land immer wieder erschütterten. Ihre Lieder erzählen aber auch von der Liebe und von der Sehnsucht der Menschen nach einer freien Welt. Auch musikalisch entwickelte sich die Gruppe Yorum unermüdlich weiter. Der Reichtum ihrer Klänge und Instrumente ist kennzeichnend für sie. Bis heut ist die Gruppe Yorum Vorbild für viele Einzelmusiker und Musikgruppen. Ihr Musikstil hat sich als „Yorum-Stil“ fest etabliert. Die Gruppe Yorum verwendet in seinen Liedern neben traditionellen Musikinstrumenten, wie „Mey“ (Blasinstrument), „Baglama“ (Klassisches Saiteninstrument) und „Kaval“ (Blasinstrument) auch klassische Instrumente wie Gitarre, Geige und Oboe. Daneben dominieren in den Liedern Solo- und Chorgesänge, die musikalisch untermalt werden mit klaren rhythmischen Kompositionen und fließenden Melodien. Die Musikant entspricht dem Folkrock. Dennoch finden sich in den Liedern viele musikalische Elemente aus klassisch- folklorischer Liedern aus Anatolien bis zum Mittelmeer, aus Latein- amerikanischen Märschen bis hin zu klassischen Rockklängen.

Sei es mit ihrer Musik oder mit ihrer politischen Haltung und Verantwortung, die Gruppe Yorum steht nunmehr seit über 20 Jahren Sinnbild für den Kampf und Freiheit und Demokratie. Ihre Konzerte werden jährlich von hunderttausenden Menschen besucht, ihre Alben sind bereits nach kurzer Zeit ausverkauft. Ihre Stimme der Auflehnung und Protests klingt seit 22 Jahren bis heute unermüdlich weiter…

Quelle: www.grupyorum.net

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Grup Yorum: Unsere Lieder Werden Siegen!

Wir wollten die Dunkelheit, die der Militärputsch vom 12. September 1980 mit sich gebracht hatte, erhellen und das Schweigen brechen. In der Musik lag unsere politische Ausdruckskraft. Wir haben uns mit dem Traum von der Brüderlichkeit, der Gleichheit und der Gerechtigkeit auf den Weg gemacht. Wir brachten Wärme und Hoffnung mit uns. Die Sehnsucht nach Freiheit und dem Ende der Ausbeutung haben uns auf diesem Weg begleitet.

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Seitdem sind 17 Jahre vergangen. In diesen 17 Jahren haben wir versucht, die Probleme der Gesellschaft, angefangen vom Brot, der Liebe bis hin zum Kampf, in unserer Musik zum Ausdruck zu bringen. Wir lebten unter dem Volk und teilten seine Freuden und Schmerzen, denn unsere Wurzeln liegen im Volk. Gegen den Fatalismus, den die Unterdrücker den Menschen auferlegten, haben wir die Hoffnung, den Kampf und den Widerstand verteidigt. Dem Individualismus und der Zerstreutheit der Massen sagten wir ab und verteidigten stattdessen den Kollektivismus und die Organisierung der Massen.

Wir haben die Gegebenheiten in unserem Bereich analysiert und gegen jede Art der Abweichung von der Kunst wie z.B. den Populismus und Elitismus angekämpft. Es war niemals unser Ziel, politische Ansichten auf grobe Art und Weise den Hörern nahezubringen. In unseren Liedern haben wir der musikalischen Qualität genauso viel Bedeutung beigemessen wie der Vermittlung der politischen Botschaften. Wir verteidigten stets die Würde, Ehre, Gerechtigkeit und Unabhängigkeit. Ferner haben wir uns gegen das System der Unterdrückung und Ausbeutung gestellt und es mit seinen volks- und menschenfeindlichen Eigenschaften kritisiert. Wir haben uns für eine freie, klassenlose Gesellschaft eingesetzt. Unsere musikalische Freiheit hing von unserem Engagement ab.

Während dieser 17 Jahre sind wir sowohl in unserer musikalischen Arbeit als auch in unserem Leben unseren Prinzipien treu geblieben, ohne irgendwelche Zugeständnisse gemacht zu haben. Wir haben uns auch in heiklen Situationen nicht davor gefürchtet, unsere Meinung zu äußern und hinter unseren Ideen zu stehen. So haben wir unsere Lieder auf unsere Weise gesungen. Einige haben diese Haltung als veraltet betrachtet, andere wiederum für einen würdevollen Widerstand gehalten. Während der Imperialismus sich nicht davor scheute, mit seinen hochtechnologischen Waffen die Welt zu zerstören, wurden wir wegen unserer Solidarität mit den Opfern der Bombardements als altmodisch bezeichnet.

Trotz alldem haben wir uns stets bemüht, uns weiterzuentwickeln, zu erneuern und Neues zu produzieren, da es uns bewusst war, dass ansonsten der politische Untergang unvermeidbar ist. Wir waren oftmals die erste Musikgruppe, die bestimmte politische Aktionen durchführte. So waren wir z.B. die ersten Musiker, die nach dem 12. September ein kurdisches Lied gesungen oder die aus Protest ein Parteigebaude besetzt haben. Wir haben uns jeder Art von Druck und Zwang seitens der Herrschenden widersetzt, haben uns niemals gebeugt. Allerdings haben wir auch schwer dafür bezahlt, immer die ersten Widerstrebenden zu sein.

Man hat innerhalb dieser 17 Jahre unzählige Male versucht, uns zum Schweigen zu bringen. Um dies zu erreichen, wurden diverse Methoden angewandt: Unsere Hauser und Institutionen, in denen wir arbeiteten, wurden gestürmt, unsere Instrumente zerschmettert; hunderte Male wurden wir festgenommen, gefoltert und verhaftet… Trotzdem haben wir mit 17 Alben und tausenden Konzerten Millionen Menschen im In- und Ausland erreicht.

Jetzt aber sind wir mit einem neuen Angriff konfrontiert: Unser Album „Feda“ („Opfer“), das wir am 5. September 2001 veröffentlicht hatten, wurde einen Monat später durch den Oberen Kontrollausschuss des Kulturminsteriums verboten. Der Ausschuss, der auf Anfrage des Istanbuler Polizeipräsidiums zusammentraf, hat die Beschlagnahmung unsers Albums entschieden. Als Begründung gab man vor, dass „Feda“ auf Wunsch des Istanbuler Polizeipräsidiums noch einmal bewertet werden müsse. Und da es der allgemeinen und nationalsicherheitlichen Ordnung, sowie dem „öffentlichkeitsnutzen“ nicht entspreche, müsste dessen Veröffentlichung und Darbietung einstimmig verboten werden.

Vor zwei Jahren hatte der Nationale Sicherheitsrat MGK ein geheimes Dokument verfasst, das die Namen von Künstlern beinhaltete, die „zum Schweigen gebracht werden“ müssten; wir hatten unseren Platz ganz oben auf der Liste. Der Innenminister hatte im vergangenen Jahr nach der Operation „Rückkehr zum Leben“ in den Gefängnissen, am 23. Dezember eine Einsatzbesprechung organisiert. Dabei hatte er uns als eine terroristische Musikgruppe in der öffentlichkeit lanciert, die das Todesfasten der politischen Häftlinge unterstützt, leitet und dazu antreibt.

Unsere Musikgruppe ist seit 1985 jeder Art von Repression und Willkur ausgesetzt. Außerdem wurden auch in vielen Städten unsere Alben nach Herzenslust der Gouverneure beschlagnahmt. Aber die Beschlagnahmung unserer Kassetten überall in der Türkei bedeutete in juristischer Hinsicht die erstmalige Ausschaltung des Produktvermarktungsgesetzes. Wir stehen heute nach 17 Jahren seit unserer Gründung einer neuen Art der Repression gegenüber. Grup Yorum hat seit ihrer Gründung bis heute mit ihren Liedern und ihrer Lebensphilosophie ihren Platz an der Seite der Unterdrückten ein-genommen; ihre Lieder hat sie für die deren Befreiung gesungen. Sie hat sich für die Forderungen der Arbeiter, Studenten, Beamten und Bewohner der Armenviertel eingesetzt; für eine unabhängige und demokratische Türkei hat sie ihre Lieder an der Feuerlinie gesungen.

* Die Lieder von Grup Yorum sind die in Noten geformte Sehnsucht nach Freiheit.
* Freiheit ist die Leidenschaft von Grup Yorum!

Wir wurden unzählige Male in einem Land, das von Armut, Ausbeutung, Repressionen und Unterdrückung geprägt ist, verurteilt. Die Gerichtsprotokolle sind ein Beweis für unsere Position an der Seite der Unterdrückung und für unsere Beharrung an unseren Idealen. Wir sind stolz darauf, trotz der Unterdrückung und Repressionen, diese Lieder zu singen! Wir sind stolz darauf, Grup Yorum- Mitglieder zu sein. (2003.02.29)

Quelle: www.grupyorum.net

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Grup Yorum : Geliyoruz

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Grup Yorum – Geliyoruz.zip(download)

…und hier meine Lieblingscassette von Grup Yorum zum runterladen und inspirieren lassen!!!!




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