K‘town: FilmVA zur WM in Südafrika

Filmabend:
Mo, 21.06., ab 19.00Uhr
Im Schatten des Tafelbergs

Leben und Überleben in den Armenvierteln rund um Kapstadt
(und weitere Kurzfilme u./o. Reportagen rund um die WM2010 in Südafrika)
@ THE ROACHHOUSE (R.Wagnerstr. 78, Hinterhof 1.OG)

* danach:
DJ-Abend im Benderhof (R.Wagnerstr. 74), ab 21Uhr
AfroSoundz by DJ Roter Achim

Filmbeschreibung: Im Schatten des Tafelbergs -
Leben und Überleben in den Armenvierteln rund um Kapstadt

*Dokumentation von Alexander Kleider und Daniela Michel, BRD 2010

In kaum einer anderen Stadt der Welt liegen Armut und Reichtum so dicht beieinander wie am Kap der guten Hoffnung. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichten von Ashraf, Mne, Zoliswa und Arnold, die in den Armenvierteln rund um Kapstadt auf unterschiedliche Art und Weise ums Überleben kämpfen.

Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft kann sich Südafrika einer großen medialen Aufmerksamkeit sicher sein. Die Kölner Dokumentarfilmer Alexander Kleider und Daniela Michel schauen in ihren Film „When the Moutain meets its shadow“ genauer hin als viele Fernseh-Reportagen. Sie versuchen am Beispiel von vier Schwarzen aus der Unterschicht von Kapstadt die aktuellen Spannungen und sozialen Verwerfungen des Landes aufzuzeigen.

Der 25-jährige Arnold arbeitet als Wachmann für eine Sicherheitsfirma, die die Anwesen der reichen weißen Oberschicht schützen soll. Für einen Monatslohn von 185 Euro absolviert er zwölfstündige Nachtschichten. Nun bereitet er sich auf die Prüfung zum bewaffneten Wachmann vor. Die alleinerziehende Mutter Zoliswa kommt mit dem Geld, das sie als Putzfrau an drei Tagen in der Woche verdient, nicht aus. Sie sucht eine neue Stelle bei einer weißen Familie. Doch sie macht sich Sorgen, dass sie ihren zehnjährigen Sohn zu lange in der Hüttensiedlung allein lassen muss, wo er von anderen Jugendlichen zum Stehlen und Drogenkonsum animiert wird.

Ashraf und Mne, zwei ehemalige Aktivisten des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) finden sich mit den Folgen der neoliberal geprägten Wirtschaftspolitik der Regierung nicht ab und haben die „Anti Eviction Campaign“ gegründet. Diese Selbsthilfeorganisation hilft den Armen in den Townships gegen Zwangsräumungen und bei Sperrungen von Strom und Wasser. Kleider und Michel greifen die enttäuschten Hoffnungen vieler schwarzer Südafrikaner auf, die nach der Abschaffung der Apartheid und dem Sieg des ANC bei den ersten freien Wahlen 1994 auf eine grundlegende Verbesserung ihres Lebensverhältnisse gehofft haben.

Die Freiheit, die zentrale Forderung der legendären „Freedom Charter“, des wichtigsten Dokuments des Freiheitskampfes in Südafrika, hat zwar die Demokratie gebracht; die Hoffnungen auf soziale Sicherheit, Chancengleichheit und Arbeit wurden aber nicht erfüllt. Im Gegenteil: Der konsequente Privatisierungskurs hat zu einer Arbeitslosenquote von 40 Prozent und einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich geführt. Besonders deutlich wird das bei Arnold und Zoliswa. Sie arbeiten für reiche Weiße, verdienen aber so wenig, dass sie wohl nie aus den Townships mit ihrer hohen Kriminalitätsrate herauskommen – ein soziales Handicap, das Zoliswa an ihre Kinder vererbt.

Noch kritischer fällt die filmische Analyse der sozialen Zustände im Fall von Ashraf und Mne aus: Enttäuscht vom regierenden ANC sind sie auf Distanz gegangen und versuchen, sich mit Protestaktionen und teils subversiven Mitteln gegen die Folgen der Privatisierungspolitik zu wehren. Seit soziale Grundleistungen wie Wasser, Strom und Wohnraum entweder privatisiert oder vom Staat der Marktlogik unterworfen wurden, hat die Zahl überschuldeter Haushalte und die Zahl der obdachlosen Familien zugenommen.

Als Reaktion darauf haben sich Selbsthilfegruppen gebildet – Männer wie Ashraf und Mne zeigen betroffenen Bürgern, wie man nachts gesperrte Wasserleitungen wieder zugänglich macht. Ashraf und Mne erklären sich auch mit den Bewohnern einer Armensiedlung an einer Straße zum Kapstädter Flughafen solidarisch, die von der Polizei mit Waffengewalt geräumt wurde, weil auf dem Gelände neue komfortable Wohnungen gebaut werden sollen. Nun kampieren die Vertriebenen in provisorischen Verschlägen auf der anderen Straßenseite. Einer von ihnen äußert mit Blick auf die bevorstehende WM einen schlimmen Verdacht: „Die Touristen sollen auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt das Elend nicht sehen müssen.“

Wie tief der Stachel der Enttäuschung sitzt, macht vor allem eine Frau deutlich, die berichtet, dass kurz nach der Zwangsräumung Vertreter der Tierschutzbehörde kamen, um nach den Haustieren zu sehen. Trotz allem tapfer lächelnd sagt sie in die Kamera: „Was sie uns an diesem Tag angetan haben! Wir sind doch keine Tiere. Unsere Eltern haben das neue Südafrika mit aufgebaut.“ (Quelle: phoenix.de)

Mehr Informationen zur Situation in Südafrika und die Auswirkungen der WM
@ http://neues-auf.anderslautern.de/index.php?n=Kultur.Sport





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