Archiv der Kategorie 'Politix'

Irie Revoltes – Die Revolution kommt aus der Dancehall

iries_cover.jpgNach ihrem 10jährigen Bandjubiläum und 4 Jahren ohne Longplayer stellen Irie Revoltes (übersetzt: Fröhliche Aufständische) zur Zeit auf ihrer Releasetour vom 24.09. bis zum 11.12. ihr neues musikalisches Produkt vor. Was die neue CD „Mouvement Mondial“ transportiert ist ein Lebensgefühl, und dass heisst „Weltweite Bewegung“. Es geht um die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen durch soziales und politisches Engagement und Revolte. Mit teilweise schon ziemlich poppig daherkommenden Songs und einer Tanznummer nach der Anderen zielt die CD nicht nur auf die Köpfe der Menschen, die mit einem auffallenden mehr an deutschsprachigen Textpassagen, als bei den zwei Vorgängern „Les deux Côtés“ und „Voyage“, trotzdem immer wieder gefordert werden.

Mit ihrer aus der virulenten Dancehall und Reggae-Szene der Rhein-Neckar Region entstandenen musikalischen Mischung aus Ska, Reggae, HipHop und Dancehall, angefüllt mit französischen und deutschen Lyrics, schaffen sie es ihr unreigenes Agitprop-Konzept einem weit über die Politszene hinausgehenden Publikum zugänglich zu machen. Statt dem Abfeiern der eigenen Radikalität und dem oft aggressiv vorgetragenen Haßtiraden auf Staat und Gesellschaft, wie sie im Punk und Politrap immer wieder zu finden sind, stehen bei ihnen immer wieder das zelebrieren eines rebellischen Gemeinschaftsgefühls als Gegenentwurf zur konsumorientierten Mehrheitsgesellschaft im Vordergrund. Was zählt ist die Motivation („Motive“) etwas zu bewegen. Sie schaffen es sogar über die eigene Szene heraus Wirkung zu entfalten. Dies zeigt das Video der Kampagne „Kein Platz für Rassismus“. Bei dem Song, den die Irie’s für eine antirassistische Initiative Frankfurter Fussballvereine geschrieben haben, geben sie die Richtung vor: „Turn left“. Im Text singen sie Zeilen wie:“Denn leider gibt es rechten Dreck überall! Auch die Regierung ist gern mit am Ball! Mit Propaganda, Abschiebung global! Ich bleib dabei: Kein Mensch ist illegal! – Es gibt noch viel Zu Tun! …“ Im Video wird dieser Text unter anderem von der Koordinatorin der Frauenfußball WM Steffi Jones, der Frankfurter Fußballegende Karl-Heinz Körbel, zahlreichen Bundesliga-Profis und dem Schauspieler Peter Lohmeyer mitgesungen. Ihre Wurzeln als Band der antifaschistischen Bewegung („Antifaschist, für immer…“) haben auf ihrer neuen CD nicht vergessen. Der Song „Aufstehn“ hat sich schon kurz nach dem Erscheinen der CD zu einer Protesthymne entwickelt. In Internetforen und auf Youtube sind schon jetzt Videos zu finden, die die Aussage ihres Songs bebildern: „Aufstehn – wir setzen alles in Bewegung… ey lasst uns aufstehn für eine weltweite Bewegung…“. Die Tour will die Band ausserdem dazu nutzen um gegen das Residenzpflicht-Gesetz protestieren. Dazu soll es in verschiedenen Städten Demos und Kundgebungen geben.

Über ihr antifaschistisches Engagement hinaus, setzten sich die Irie’s seit Jahren für konkrete Entwicklungshilfeprojekte ein, oder stampfen diese einfach selbst aus dem Boden. So hat Iries Sänger Mal Eleve schon vor einigen Jahren mit seinem Freund Estevan, der selbst im Rollstuhl sitzt, den Verein „Rollis für Afrika e.V“. gegründet. Statt Gelder zu sammeln und diese in die teilweise intransparenten Kanäle anerkannter Entwicklungshilfeorganisationen zu stecken, aktiviert der Verein Menschen Rollstühle und Hilfsmittel zu sammeln, die ansonsten wahrscheinlich in deutschen Schrottpressen gelandet wären, um diese dann gezielt an Behinderte in Afrika weiterzuleiten. Für die Verteilung und Anpassung dieser Hilfsmittel kümmert sich der Verein mit professionellen Mitarbeiter_innen selbst. Die eigenen Fans werden so oft es geht in ihre Aktivitäten einbezogen. Ein gespendeter funktionsfähiger Rolli diente schon so manchem als Eintrittskarte für ein Irie Revoltes-Konzert. Auch auf der Release-Tour werden wieder Rollis und andere Hilfsmittel für Rollis für Afrika e.V. gesammelt. Irie Revoltes hat ausserdem schon viel für die Popularität der „Viva con Agua“-Kampagne getan, die von St.Pauli aus Fundraising für Trinkwasserprojekte in Entwicklungsländern betreibt. So ging das Geld, was die Band in der ersten Verkaufswoche der neuen CD einspielt direkt an Viva con Agua um damit Quelleinfassungen für Brunnen in Ruanda zu ermöglichen.

Doch zurück zu ihrer Musik und ihren Texten. Im Gegensatz zu anderen Bands mit ähnlichen Wurzeln wie Culcha Candela oder Seeed, deren Musik eine ähnliche Ausrichtung und Qualität hat, steht diese Band den Vermarktungsstrategien der Musikindustrie nicht zur Verfügung. Im Gegensatz: Bei ihren Songs wird auch Kritik an der eigenen Musikszene eingeflochten. Mit Zeilen wie „Kein Mensch ist illegal, vom Nordpol bis nach Togo, von Schwarz bis weiß und von Hetero bis Homo“ stellen sie sich gegen die Tendenz im Dancehall und Reggae, homophobe Inhalte kritiklos von jamaikanischen Künstlern aus dem Rasatafari-Kult zu übernehmen. Ihre Songs „Travailler“ und „Zeit ist Geld“ sind eindeutig gegen die kapitalistische Verwertungslogik gerichtet. Der Freund und Politrapper Chaoze One ist auch wieder auf der CD und der Tour dabei.

Alles das scheint diese Gruppe scheinbar mühelos in diese tanzbare und angenehm unangestrengte CD zu integrieren, die sich musikalisch in keine Schublade stecken lässt. Soundtechnisch haben sie durch den Umzug nach Berlin auch noch zugelegt. Durch die Produzenten Kraans de Lutin, der unter anderem für Alben und Singles von Reggaekünstlern wie Mellow Mark und Martin Jondo verantwortlich zeichnet, und Don Krutscho der den „Give Thanks“-Riddim produziert hat, der die Blaupause ihrer Singleauskopplung „Merci“ darstellt, ist der Sound fetter, aber auch eingängiger geworden. Manchem Puristen und Politaktivisten mag dies als Anbiedern an den Massengeschmack erscheinen. Die Glaubwürdigkeit der politischen Aussagen und Band Irie Revoltes tut dies aber keinen Abbruch. Vor allem nicht als aktiver Teil einer weltweiten Bewegung.


Iries Revoltes – Mouvement Mondial
Label: Ferryhouse, 2010
CD 12,99.-, 2LP 24,99.-

Mouvement Mondial-Tour von 24.09. bis zum 11.12.

Links:
- http://www.irie-revoltes.com
- http://i-revolt.com/

- http://rollis-fuer-afrika.de/
- http://www.vivaconagua.org/
- http://www.kein-platz-fuer-rassismus.de/

*von Carsten Ondreka
(bearbeitete Version im neuen AK: http://www.akweb.de/)

Muzak against FIFA: Kick out World (Cup) Poverty

The Beautiful Gain (full version) by Chomsky Allstars

<a href="http://chomskyallstars.bandcamp.com/track/the-beautiful-gain-full-version">The Beautiful Gain (full version) by Chomsky Allstars</a>

With the media’s gaze fixed on the soccer World Cup, Chomsky Allstars’ new single throws a harsh spotlight on South Africa’s attempts to ‚beautify‘ the country in the run-up to the tournament.

Tin Town – The story Behind The Beautiful Gain…

Tin Town – V.2 from Barefoot Workshops on Vimeo.

Zugabe:

Shame on The Game by Creamy Ewok Baggends (Durban, South Africa)

Shame on The Game – EWOK – mp3 by Creamy Ewok Baggends

The Khulumani Support group is currently undertaking the prosecution of 5 major corporations complicit in supporting the Apartheid Government of South Africa during the struggle. These same companies are current investors in the FIFA World Cup. This track is part of a Hip Hop compilation being released in June 2010 to create awareness around this apparent lack of justice.

Mehr Informationen zur Situation in Südafrika und die Auswirkungen der WM
@ http://neues-auf.anderslautern.de/index.php?n=Kultur.Sport

K‘town: FilmVA zur WM in Südafrika

Filmabend:
Mo, 21.06., ab 19.00Uhr
Im Schatten des Tafelbergs

Leben und Überleben in den Armenvierteln rund um Kapstadt
(und weitere Kurzfilme u./o. Reportagen rund um die WM2010 in Südafrika)
@ THE ROACHHOUSE (R.Wagnerstr. 78, Hinterhof 1.OG)

* danach:
DJ-Abend im Benderhof (R.Wagnerstr. 74), ab 21Uhr
AfroSoundz by DJ Roter Achim

Filmbeschreibung: Im Schatten des Tafelbergs -
Leben und Überleben in den Armenvierteln rund um Kapstadt

*Dokumentation von Alexander Kleider und Daniela Michel, BRD 2010

In kaum einer anderen Stadt der Welt liegen Armut und Reichtum so dicht beieinander wie am Kap der guten Hoffnung. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichten von Ashraf, Mne, Zoliswa und Arnold, die in den Armenvierteln rund um Kapstadt auf unterschiedliche Art und Weise ums Überleben kämpfen.

Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft kann sich Südafrika einer großen medialen Aufmerksamkeit sicher sein. Die Kölner Dokumentarfilmer Alexander Kleider und Daniela Michel schauen in ihren Film „When the Moutain meets its shadow“ genauer hin als viele Fernseh-Reportagen. Sie versuchen am Beispiel von vier Schwarzen aus der Unterschicht von Kapstadt die aktuellen Spannungen und sozialen Verwerfungen des Landes aufzuzeigen.

Der 25-jährige Arnold arbeitet als Wachmann für eine Sicherheitsfirma, die die Anwesen der reichen weißen Oberschicht schützen soll. Für einen Monatslohn von 185 Euro absolviert er zwölfstündige Nachtschichten. Nun bereitet er sich auf die Prüfung zum bewaffneten Wachmann vor. Die alleinerziehende Mutter Zoliswa kommt mit dem Geld, das sie als Putzfrau an drei Tagen in der Woche verdient, nicht aus. Sie sucht eine neue Stelle bei einer weißen Familie. Doch sie macht sich Sorgen, dass sie ihren zehnjährigen Sohn zu lange in der Hüttensiedlung allein lassen muss, wo er von anderen Jugendlichen zum Stehlen und Drogenkonsum animiert wird.

Ashraf und Mne, zwei ehemalige Aktivisten des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) finden sich mit den Folgen der neoliberal geprägten Wirtschaftspolitik der Regierung nicht ab und haben die „Anti Eviction Campaign“ gegründet. Diese Selbsthilfeorganisation hilft den Armen in den Townships gegen Zwangsräumungen und bei Sperrungen von Strom und Wasser. Kleider und Michel greifen die enttäuschten Hoffnungen vieler schwarzer Südafrikaner auf, die nach der Abschaffung der Apartheid und dem Sieg des ANC bei den ersten freien Wahlen 1994 auf eine grundlegende Verbesserung ihres Lebensverhältnisse gehofft haben.

Die Freiheit, die zentrale Forderung der legendären „Freedom Charter“, des wichtigsten Dokuments des Freiheitskampfes in Südafrika, hat zwar die Demokratie gebracht; die Hoffnungen auf soziale Sicherheit, Chancengleichheit und Arbeit wurden aber nicht erfüllt. Im Gegenteil: Der konsequente Privatisierungskurs hat zu einer Arbeitslosenquote von 40 Prozent und einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich geführt. Besonders deutlich wird das bei Arnold und Zoliswa. Sie arbeiten für reiche Weiße, verdienen aber so wenig, dass sie wohl nie aus den Townships mit ihrer hohen Kriminalitätsrate herauskommen – ein soziales Handicap, das Zoliswa an ihre Kinder vererbt.

Noch kritischer fällt die filmische Analyse der sozialen Zustände im Fall von Ashraf und Mne aus: Enttäuscht vom regierenden ANC sind sie auf Distanz gegangen und versuchen, sich mit Protestaktionen und teils subversiven Mitteln gegen die Folgen der Privatisierungspolitik zu wehren. Seit soziale Grundleistungen wie Wasser, Strom und Wohnraum entweder privatisiert oder vom Staat der Marktlogik unterworfen wurden, hat die Zahl überschuldeter Haushalte und die Zahl der obdachlosen Familien zugenommen.

Als Reaktion darauf haben sich Selbsthilfegruppen gebildet – Männer wie Ashraf und Mne zeigen betroffenen Bürgern, wie man nachts gesperrte Wasserleitungen wieder zugänglich macht. Ashraf und Mne erklären sich auch mit den Bewohnern einer Armensiedlung an einer Straße zum Kapstädter Flughafen solidarisch, die von der Polizei mit Waffengewalt geräumt wurde, weil auf dem Gelände neue komfortable Wohnungen gebaut werden sollen. Nun kampieren die Vertriebenen in provisorischen Verschlägen auf der anderen Straßenseite. Einer von ihnen äußert mit Blick auf die bevorstehende WM einen schlimmen Verdacht: „Die Touristen sollen auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt das Elend nicht sehen müssen.“

Wie tief der Stachel der Enttäuschung sitzt, macht vor allem eine Frau deutlich, die berichtet, dass kurz nach der Zwangsräumung Vertreter der Tierschutzbehörde kamen, um nach den Haustieren zu sehen. Trotz allem tapfer lächelnd sagt sie in die Kamera: „Was sie uns an diesem Tag angetan haben! Wir sind doch keine Tiere. Unsere Eltern haben das neue Südafrika mit aufgebaut.“ (Quelle: phoenix.de)

Mehr Informationen zur Situation in Südafrika und die Auswirkungen der WM
@ http://neues-auf.anderslautern.de/index.php?n=Kultur.Sport

Staatsterror gegen Solidarität > Solidarität gegen Staatsterror

pal_sol.jpg „In der Palästinafrage können weder Europäische Lösungen, noch islamische Lösungen zur nationalen Befreiung der palästinensischen Bevölkerung führen. Auch hinsichtlich der Solidarität mit Palästina sind die europäisch orientierte und die islamische Linie mit Mängeln, Fehlern und Verzerrungen behaftet. Die Progressivität in Europa hat die Solidarität mit Palästina auf Fleisch, Milch, Kleidung und Spielzeug reduziert. Die Solidarität der islamischen Linie wurde auf den “islamischen Glauben” der palästinensischen Bevölkerung beschränkt. Der Kampf um Palästina wurde von den Revolutionären an die ganze Welt herangetragen. Und dieser Kampf wird sich auch auf den Schultern der Revolutionäre verstärken. Denn sie sind die einzigen, die diesen Kampf auf einer richtigen Grundlage führen.“ (Halk Cephesi, 1.06.2010)

Quelle: Türkei Informationszentrum (tuerkei.info[ät]gmail.com)

Termine von Protesten und Demonstrationen in Deutschland findet ihr hier bzw. können dort gemeldet werden: www.freegaza.de bzw. hier

* Bild von einem Demobericht aus Berlin, 1.06.2010

News (Artikel, Berichte und Links) zur Auseinandersetzung um die Freedom Flottila des FREE GAZA MOVEMENT @ AL-Internationales

Anderslautern und die Röhls

Auseinandersetzung um die Röhlche Geschichtsschreibung, Missbrauch und dem Verhältnis zu Ulrike Meinhof

So kanns gehen. Da überlegt mensch am monatlichen Aufbau der Anderslautern, stolpert über den 8.Mai, der in der linken (zurecht) als Tag der Befreiung begangen wird. Da wir über dieses Thema schon oft genug berichtet haben, kommt die Idee der Erinnerung an den Todestag von Ulrike Meinhof am 8.Mai 1976.
ulrike_konkret.jpg
Um sich bei diesem Thema nicht endlos zu wiederholen und die Frage nach Mord od. Selbstmord zum tausendsten mal zu referieren, denn zu diesem Thema ist alles gesagt (neues dazu erst wieder nach Stürmung der VS bzw. BND-Gebäude und dem dazu notwendigen Sturz der herrschenden Klasse). Deshalb richteten wir den Fokus auf Ulrike als Mensch. Als greifbare Person, die sich Menschen durch ihren Umgang mit ihnen offenbarte. Ein Text ihrer Stieftochter Anja Röhl, die uns schon vorher durch Artikel und Texte zu Erziehung und zu Kulturveranstaltungen aufgefallen ist, gefiel uns besonders.

Das Anja Röhl genau in diesem Zeitraum einen Artikel im Stern veröffentlicht, der solche Wellen schlägt, dass wir dadurch zeitweise in den Fokus geraten, war nicht abzusehen.

Anja Röhl schreibt in ihrem Artikel über ihren Vater, Klaus Rainer Röhl, seines Zeichens Ex-Ehemann von Ulrike Meinhof. Sie beschreibt darin die pädophilen Neigungen und verschiedenste Arten des Missbrauchs an ihr, als Kind. „Einen der wichtigsten Männer, die offen Pädophilie propagiert haben, habe ich in der eigenen Familie gehabt, er heißt Klaus Rainer Röhl und war mein Vater. Er lebt noch, aber der Satz ‚Er ist mein Vater‘ will mir nicht über die Lippen“ gibt sie dem Stern zu Protokoll.

In der Erwiderung von K.R. Röhl sowie den Artikel seines Bruders Wolfgang (Stern, die Welt) wurden dann Artikel von Anja Röhl, die auch von uns veröffentlicht wurden verlinkt. Wohl allein deswegen, um sie als Teil des „linksradikalen Sumpfes“ zu denunzieren. Damit waren wir mitten in der Auseinandersetzung um die Röhlche Geschichtsschreibung, Missbrauch und dem Verhältnis zu Ulrike Meinhof.

Das K.R. Röhl damals schon einen Hang zur Rechtfertigung pädophilen Verhaltens hatte ist keine Neuigkeit. Unter seiner Ägide wurde die Konkret, die Mitte der 50er als politisches Magazin mit Nähe zur illegalen KPD gestartet war und mit der exzellenten Journalistin Ulrike Meinhof als Flaggschiff bekannt wurde, zur Wichsvorlage mit intellektuellem Anspruch. Mit dem mittlerweile zum medialen RAF-Inquisitor aufgestiegenen Stefan Aust und dem mittlerweile verstorbenen Schriftsteller Peter Rühmkorf an der Seite bildeten sie den Kopf einer Männerriege, die im Fahrtwind der sogenannten „Sexuellen Revolution“ ihre Männerphantasien auslebten. In einem in der LITERATUR KONKRET 2009/2010, erschienenen Artikel von Ende September letzten Jahres, heißt es zur KONKRET-Historie und zu ihren Protagonisten Röhl, Rühmkorf und Aust:

konkret.jpg „KONKRET? Gibt’s das noch? Früher hab ich das auch gelesen.“ Das Früher der älteren Herren sind die Jahre, in denen KONKRET mit allerlei Onanierhilfen und Titelzeilen wie „Mögen Frauen Vergewaltigung?“, „Was Mädchen weich macht – Rezepte für Männer“ oder „Machen Miniröcke dumm?“ für Absatz gesorgt hatte. Der Lyriker Peter Rühmkorf war noch in seinen letzten Lebenstagen stolzer Theoretiker dieses vom ihm erfundenen Verkaufsrezepts, dessen Praktiker, sein Freund Klaus Rainer Röhl, bei der Auswahl der Titelbilder stets darauf bestand, daß der nackte Hintern der Abgebildeten am rechten Bildrand erschien, denn: „Man schlägt von rechts.“ Geschäftsführender KONKRET-Redakteur jener Jahre war unter anderen ein gewisser Stefan Aust. Wenn Not am Mann war, ging der investigative Journalist auch gern selbst mit der Kamera auf Motivsuche für „heiße Reports“ („Liebe unter freiem Himmel – Wie frei sind Deutschlands Mädchen?“; 10/67) oder reiste an den „Sonnenstrand von Bulgarien“ (7/67)…. (LITERATUR KONKRET 2009/2010)

K.R. Röhl führte genau diesen Kurs nachdem er die Konkret fast vollständig ruiniert hatte in seinen Magazinen „Das da“ und Spontan weiter. Stefan Aust schrieb für die St.Pauli-Nachrichten. Ein weiteres Magazin, das „Linkssein“ mit frei ausgelebten Sextrieb, egal auf wessen Kosten gleichsetzte. Für Aust, und Konsorten war das damals vor allem „’ne coole Zeit“. Während andere das Geschriebene und Gesprochene beim Wort nahmen und versuchten eine revolutionäre Perspektive zu entwickeln, ging es vielen nur um Party, das eigene Standing und die Coolness „in der Szene“ als Ausgangspunkt für ihre bürgerlichen Karrieren. Anfangs waren sie noch kritische Journalisten, modern wirkende Künstler oder einfache Selbstdarsteller. Die meisten endeten als Karikatur ihrer selbst, meist noch mit hochdotierten Jobs.

Ulrike Meinhof hatte sich da schon längst aus dem Staub gemacht und sich politisch anderweitig orientiert. Durch die Gefangenenbefreiung von Andreas Baader am 14.Mai 1970 und deren Begleitumstände musste sie in den Untergrund. An vielen Littfasssäulen hingen Fahndungsfotos . Aus der Illegalität heraus versuchte sie, laut den Recherchen von Jutta Ditfurth für deren Meinhof-Biografie, ihre Kinder vor ihrem Ex-Mann zu schützen. K.R. Röhl verweist zwar darauf, dass in ihrer Sorgerechtsauseinandersetzung Kindesmissbrauch kein Thema war. Dazu gibt es aber viele Gründe. Einer liegt in der damaligen Zeit. Eine Situation in der Aussage gegen Aussage steht, wäre damals auch kaum zu Ulrike Meinhofs Gunsten entschieden worden. Sie versuchte alles, damit ihre Kinder bei ihrer Schwester unterkommen konnten. Um nicht vorher schon mit unveränderbaren Tatsachen konfrontiert zu werden, entschlossen Freund_innen von Ulrike die Kinder jedwedem weiteren Zugriff zu entziehen und erst einmal nach Sizilien zu Freunden zu bringen.

Das Aust die Kinder zu ihrem Vater zurückbrachte, sie sozusagen „rückentführte“, gehört mit zu dem Heldenmythos den Aust um sich selbst und seine Rolle in den Siebzigern gebaut hat. Doch wie Heldenhaft ist es eigentlich, Kinder zu solch einem Vater zurückzuführen?

Allein das momentane Schweigen eines Stefan Aust zu den geäußerten Vorwürfen gegen seinen früheren Chef verrät einiges. Einer der sonst sofort in sämtlichen Medien präsent ist, wenn Ulrike Meinhof oder die RAF in den Medien besprochen werden, hält freiwillig die Klappe. Allein schon das stinkt zum Himmel. Gerade in diese Phase fällt nämlich seine ständige Präsenz in den Softpornoheftchen mit sog. inhaltlichem Anspruch. Die damaligen Partys mit seinen Freunden sind bisher noch nicht beleuchtet worden. Vielleicht wird sein Interesse die politischen Bewegungen dieser Tage (besonders die RAF) in den Dreck zu ziehen, dadurch klarer. Aust war immer Ausbeuter. Er beutete als Konkret-Redakteur, der immer in der Nähe der intellektuellen Köpfe und Persönlichkeiten war, die Bewegung aus die ihn mit Themen fütterte. Er beutete mit seinen Artikeln (und wohl auch Fotos) Frauen aus. Er machte sich den drogenkranken RAF-Aussteiger Boock zum Kronzeugen für sein RAF-Bild.

K.R. Röhl ist in dieser Richtung wesentlich ehrlicher. Er mutierte vom Salonkommunisten zum Rechtspopulisten und Geschichtsverdreher (siehe wikipedia).

Nun ist selbst seine Lieblingstochter Bettina Röhl, die ihn in seinen Äußerungen zu Ulrike Meinhof und der RAF stets bestärkte, von ihm abgerückt und beschreibt den Missbrauch den K.R. Röhl an ihr begangen hat: „Zwischen 1970 und 1973 habe ihr Vater manche Abende „mit einem Zungenkuss als Gute-Nacht-Abschied“ beendet. Als sie elf Jahre alt gewesen sei, habe Klaus Rainer Röhl seine Hände „nicht mehr zuverlässig in seiner Sphäre“ behalten. Sie sei vom Vater häufig als „Pissgör“, „alte Nutte“ oder „Liebling“ angesprochen worden. Ihre Beziehung habe Klaus Rainer Röhl damals und noch später „eine wunderbare Liebesgeschichte“ genannt. Er habe sich seiner Tochter gegenüber als „pädophil“ bezeichnet und über Inzest gesprochen. (spiegel-online, 30.05.2010)

Das er dies weiterhin bestreitet ist nur noch peinlich. Aber in seinem nationalkonservativen Umfeld scheint dies nicht weiter zu stören. Für die Mitarbeit in diesen Zirkeln scheint eine gewisse Demenz gegenüber der eigenen Vergangenheit und der Weltgeschichte Aufnahmevoraussetzung zu sein.

* von MMM/AL-Red.

Texte von Anja Röhl zu Mißbrauchsdiskussion:
* Sexueller Missbrauch – (k)ein Thema
* Die Zeit ist reif – zur Pädophiliedebatte

Texte von Anja Röhl zu Ulrike Meinhof:
* Ich schwimme gegen den Strom
* Das zweite Sterben von Ulrike Meinhof

Die Debatte um Anja Röhls Stern-Artikel:
* Missbrauchsvorwürfe gegen „Konkret“-Gründer
* Jutta Ditfurth über Klaus Rainer Röhl: „Die Grenze zog er bei 13, 14 Jahren“
* Achtung vor den Opfern
* „Ulrike Meinhof hatte Angst um ihre Kinder“ – Interview mit Jutta Dittfurth

K.R. Röhls Dementi:
* Brief an den stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn

Bettina Röhl:
* Bettina Röhl wirft ihrem Vater pädophile Übergriffe vor
* „Ansexualisierte Übergriffe“ – Interview mit Bettina Röhl
* „RAF war keine Kinderhilfsorganisation“

Erleuchtendes zu K.R. Röhl:
* Klaus Hübotter über die „konkret“-Gründung: „Röhl war nur ein Strohmann“

Ergänzung:

Quelle: anderslautern, 1.06.2010

TALIBANKSY: Streetart-Guerilla in Afghanistan

Hier ein Fundstück der besonderen Art. In Kabul hat sich eine mit internationalen Künstlern besetzte StreetArt-Guerrilla gebildet, die überall in der Stadt ihre AntiKriegsstatements an die Wände sprayt. Mit klar verständlichen und einfachen Symbolen, machen sie auf die Kosten des Krieges, aber auch auf die Profiteure auf beiden Seiten aufmerksam.

In ihren „Combat Comminiques“ unterstreichen sie die gesprayten Botschaften und vermitteln darüberhinaus den Zweck ihres Handelns.

„Propaganda is everywhere, from counter-narcotic campaigns to counter-terrorism to army recruitment. You can‘t move without some form of visual purposeful persuasion burning a hole in your soul. Social and politically driven graphics, AKA street art, can evoke thought and stimulate discussion.“

und laden die Afghanische Jugend ein, sich am Streetart-Kampf zu beteiligen:

„This form of self-expression is open to anyone. The youth of Kabul have no real outlet for artistic expression,“ it says, adding: „Do they want it?“

More Information @ Anti-war graffiti group become Afghanistan’s ‚Talibanksy‘

Weg mit dem §129b-Transpi: F95 vs. 1.FCK, 23.3.10

Beim Fußballspiel der Fortuna aus Düsseldorf gegen den 1. FC Kaiserslautern am 23.3. gab es ein Spruchband mit „Widerstand ist kein Terrorismus- Weg mit §129 a/b“ (14.000 ZuschauerInnen). Die Düsseldorfer Rote Hilfe GenossInnen haben ein kleines Video geschickt, in dem die Aktion zu sehen ist:

Mehr Infos @ § 129b – Allzweckwaffe gegen die migrantische Linke

In diesem Sinne: Freiheit für Cengiz, Nurham, Ahmet I., Faruk, Devrim und Ahmet D. und alle politischen Gefangenen

RLP: Landesweiter Appell für Mumia Abu Jamal gestartet.

mumia_04.jpgAnlässlich des „Tages für die Freiheit der politischen Gefangenen“, der in Deutschland seit Anfang der 90er Jahre auf Initiative u.a. der Rote Hilfe e.V., jährlich am 18.März mit Veranstaltungen und Kundgebungen begangen wird, startet das „Kaiserslautrer Bündnis für das Leben und die Freiheit von Mumia Abu Jamal“ einen landesweiten Appell, für den seit über 28 Jahre in der Todeszelle sitzenden schwarzen Journalisten Mumia Abu Jamal, dessen Leben immer noch von der Todesstrafe bedroht ist.

Im November letzten scheiterten wir mit dem Versuch über einen Kaiserslautrer Appell einen Stadtratsbeschluss gegen Anwendung der Todesstrafe in den USA zu erreichen. Trotzdem fand der Appell breite Zustimmung gerade auch im Gewerkschaftsbereich und unter Funktionsträgern der Parteien „Die Linke“ und Bündnis 90 / Die Grünen. Ausserdem wurde der Appell von Kulturvereinen und vielen Einzelpersonen unterstützt.

Dies ermutigt uns diese Aktion auf Rheinland-Pfalz auszuweiten und Vertreter_innen aus Politik, Kultur und sozialen Bewegungen aus dem ganzen Bundesland aufzufordern diesen Appell für das Leben von Mumia Abu Jamal und gegen die Todesstrafe zu unterstützen.

Quelle: Kaiserslautrer Bündnis für das Leben und die Freiheit von Mumia Abu Jamal


Rheinland-Pfälzischer Appell
für das Leben und die Freiheit
von Mumia Abu Jamal


Die Menschen aus ganz Rheinland-Pfalz legen im Zusammenleben besonderen Wert auf gegenseitiges Verständnis, Respekt und Toleranz und ein glaubwürdiges Auftreten für Menschenrechte. Als Rheinland-Pfälzer, deren Geschichte und Gegenwart in vielen Regionen stark mit den USA verknüpft ist, blicken wir auch besonders intensiv auf die Politik und die gesellschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Da wir uns für den Schutz der Menschenwürde und der damit verbundenen Grundrechte einsetzen, stellen wir uns weltweit gegen die Todesstrafe und sind bedrückt, das diese in den USA immer noch praktiziert wird.

Die Todesstrafe ist ein barbarischer Akt staatlicher Gewalt. Ihre Androhung und Anwendung verletzen das elementare Recht auf Leben und die Menschenwürde des Einzelnen. Sie ist unserer Auffassung nach weder mit Sicherheits- noch mit Vergeltungsbedürfnissen zu rechtfertigen und somit, unabhängig von der Schuldfrage, nicht akzeptabel. Wie sehr sie einer humanen Gesellschaftsordnung widerspricht, wird jedoch besonders deutlich, wenn die Schuldfrage nicht eindeutig geklärt ist, wie im Fall von Mumia Abu-Jamal. Der afro-amerikanische Journalist und Bürgerrechtler sitzt seit über 28 Jahren in der Todeszelle in den Vereinigten Staaten, weil er angeblich einen weißen Polizisten erschossen haben soll. Abu-Jamal beteuert seither seine Unschuld, und Menschenrechtsorganisationen haben eklatante Verfahrensmängel im damaligen Gerichtsprozess aufgedeckt, die offensichtlich auf rassistische Hintergründe zurückzuführen sind.

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind zu Recht stolz auf die älteste demokratische Verfassung der Welt mit der Garantie gleicher Rechte für Alle. Diese Vorbildfunktion verpflichtet aber zu einer äußerst sorgfältigen und humanen Würdigung in jedem einzelnen Fall. Der Rechtsgrundsatz „in dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten) muss natürlich in ganz besonderem Maße bei der Verhängung der Todesstrafe gelten.

Wir schließen uns der weltweiten Solidaritätskampagne an und fordern die endgültige Aufhebung des Todesurteils gegen Mumia Abu Jamal. Da die amerikanische Rechtsprechung im Falle von Mumia Abu Jamal keine weitere Chance auf ein faires Gerichtsverfahren mehr vorsieht, fordern wir folgerichtig dessen Freilassung, nachdem er trotz erdrückender Beweise die für seine Unschuld sprechen, schon über die Hälfte seines Lebens in einer Todeszelle verbracht hat.

Darüber hinaus fordern wir selbstverständlich eine vollständige Abschaffung der Todesstrafe. Besonders in den USA ist diese Entscheidung längst überfällig.

* Bitte unterstützen sie diesen Appell, durch die Angabe ihres Namens bzw. den Namen ihres Vereins, ihrer Gruppe bzw. Organisation.

Zum Runterladen und Weiterverbreiten:

*Appelltext18032010.pdf (26K)
*Anschreiben zum Appell.pdf (18K)
*Kaiserslautrer Appell mit Unterzeichnern(Dez09).pdf (30K)

Zuschriften an:
Kaiserslautrer Bündnis für das Leben und die Freiheit von Mumia Abu Jamal
Postfach 3570
67623 Kaiserslautern
email: freemumia.kl[ät]web.de

SoliSampler: Musik für inhaftierte NATO-Gegner

sampler2.jpgMit einer Doppel-CD unterstützen Solidaritätsgruppen die Antirepressionsarbeit nach den Protesten gegen den NATO-Gipfel 2009 in Straßburg.

Menschen aus Berlin, Dresden und Rostock koordinieren gemeinsam mit Aktivisten aus dem Badischen die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit zur staatlichen Verfolgung der Kriegsgegner, die in den Tagen des NATO-Gipfels im April vergangenen Jahres in Straßburg verhaftet wurden. Mehrere der damals Inhaftierten sind zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt worden. Noch immer sitzen drei Antimilitaristen in Haft. Einige der Gerichtsverfahren sind noch nicht abgeschlossen. Beobachter empfanden die Prozesse als eine »auf Abschreckung angelegte Machtdemonstration«. Teilweise sind Entlastungszeugen nicht zugelassen und entlastende Fakten einfach ignoriert worden. Bereits im Vorfeld der ersten Verhandlungen hatte der französische Präsident Nicolas Sarkozy angekündigt, ein Exempel statuieren zu wollen.

Die Doppel-CD mit dem Titel »Solidarity is a … – benefit compilation for the strasbourg prisoners« will einen Beitrag zur Aufarbeitung der Folgen der Repression leisten. Neben einer spannenden internationalen Mischung von szenebekannten HipHop-, Folk-, Dancehall-, Ska- und Punkbands wie Guts Pie Earshot, Irie Revoltes, Across the Border und Yok finden sich, vor allem auf der zweiten CD, auch viele unbekannte Bands, die im Rahmen der Mobilisierung und Unterstützung der Proteste Konzerte gaben.

Do it Yourself-Kultur

Die Soli-CD stellt ein Bindeglied zwischen der Szene und den inhaftierten Aktivisten dar. Im 36 Seiten starken Booklet kommen neben der herausgebenden Gruppe allein die in Straßburg inhaftierten Gefangenen zu Wort. Einer ihrer Beiträge verweist auf die Notwendigkeit, eine Brücke zwischen politischem Aktivismus und Subkultur bzw. die Kulturgeschichte des DIY (Do it Yourself) zu schlagen. DIY ist für die Straßburger Gefangenen ein Baustein, »um eine Gegenhegemonie aufzubauen, ein Versuch, sich der Disziplinierung der kapitalistischen Verwertungs- und Verwurstungsmaschinerie zu entziehen. Nur eine Linke, die es schafft, ihre theoretischen Gebäude mit Leben, Liebe, Lust und (Gegen-)Kultur auszugestalten und für Veränderungen offen zu bleiben, wird auch eine Zukunft haben.« Das Propagieren einer eigenverantwortlichen Kultur des Musik-Selber-Machens und der selbstorganisierten Konzerte ist seit Jahrzehnten ein Baustein des Widerstands gegen politische Missstände und den Einheitsbrei der Kommerzkultur.

In dem Beiheft befinden sich darüber hinaus politische Statements und persönliche Texte über den Gefängnisalltag und die freudigen Reaktionen auf die Solidarität von draußen. Trotz der Fülle an Informationen ist das Heft sehr leserlich und fast schon puristisch gestaltet. Auf dem Cover befindet sich nur eine stilisierte Handsäge, die mit dem CD-Titel korrespondiert. Vor allem aber bleibt zu hoffen, dass der Sampler reißenden Absatz in Infoläden und über andere alternative Verbreitungswege findet. Der Gewinn, der beim Verkauf der CD erzielt wird, fließt vollständig in Antirepressions- und Knastarbeit, die im Zusammenhang mit dem NATO-Gipfel geleistet wurde und auch weiter notwendig sein wird.

Hörbeispiel: Colectivo La Platforma – Carlos Hermano.mp3

Solidarity is a … – benefit compilation for the strasbourg prisoners, Doppel-CD, 12 €.
Bestellungen über E-Mail: soli-cd@riseup.net
solidarity.blogsport.de

Quelle: ND, 10.03.2010

K.o.K.-roaches Einstand voller Erfolg!

Was soll mensch da noch schreiben; Die Hütte hat gebrannt. Heißhungrig auf die näxte Beatclub-ähnliche Party ging es früh los und endete dementsprechend spät. Die Musk war Klasse, die Dj’s, Vocalists und Musiker gaben Alles.

cco2.jpgNach dem Reggae&Dancehall-Warm up mit MeinerEiner, Rub-batz von RebelVoice und MC Wozu waren mit Kyrill und Dj Arsonist feat. Stagerocka die richtigen Plattenartisten und Einheizer am Werk um die Massen in Verzückung zu versetzen. Selbst der beabsichtigte Break zwischen Drum&Bass und Techno brachte keinen Stimmungsabfall. Getragen von Janniks fantastischem Saxophon und den Steinbruch-Beats von Tiefengestein gings weiter bis nach Sonnenaufgang. Unsere Freunde von Beatcheese hätten wohl auch noch länger durchgehalten. Die K.o.K.-Roaches-Crew hat es außerdem gepackt mit der Musikauswahl, der Lightshow und natürlich ihrer Präsentation des Vereins die Beatclub-Partys noch zu toppen. Den größten Beitrag lieferte aber das feierwütige Publikum, was hervoragend mitging und trotz teilweise hoher Drehzahlen, so cool und locker blieb, wie wir das schon von den Beatclubs kennen.
Die Einzigen, die aus der Reihe tanzten war mal wieder die Security, die einmal mehr durch ihr provokatives eher eskalierendes als deekalierendes Auftreten auffielen. Das ist ein Problem mit dem sich der AStA der TU dringend befassen muss. Die Veranstalter der Party’s im Kellergebäude des Bau 46 sind da aussen vor (was an sich schon kein Zustand ist). Ein Grund (von vielen) warum die Uniräume, die unter AStA-Verwaltung stehen nicht das letzte Wort sein können. Wir brauchen ein selbstverwaltetes Zentrum!!!

Außerdem würde ich viele der Menschen, die auf unseren Partys rumspringen gerne öfters treffen als nur alle zwei Monate. Da steckt (über die Partys hinaus) soviel Potential drin die Stadt offensiv und kreativ zu verändern.

Aber bald wird es ja ne Räumlichkeit geben, wo mensch sich regelmässig treffen kann. Die K.o.K.roaches-Crew ist gerade dran Räume zu renovieren, die danach für Ausstellungen, Lesungen, Film und Kneipenabende, Workshops etc. zur Verfügung stehen sollen. Ein erster Schritt in Richtung Zentrum ist damit gemacht. K.o.Kroaches geht es, nach dem eigenen Selbstverständnis darum Menschen mit ihren vielfältigen Ideen und kreativen Möglichkeiten zusammenzubringen. Jede und JedeR ist gefragt, sich einzubringen. Konsumieren (nach dem Motto „Man muss nehmen was kommt“) war gestern. Jetzt gehts darum sich gemeinsam und gleichberechtigt Freiräume zu schaffen, in denen wir selbstbestimmen können, was wir wollen und wie wie es wollen.

Stimmen zur Party:

kyrïll[riøt-bpm]: Willlenlos!!! FULL HOUSE!
BIG UP RUB-BATZ, ARSONIST, STAGEROCKA, WoZu, HAPPY + MECKIE MESSER und den Rest der KOK-ROACHES!
So – und net anders – werd gefeiert
AAAARRRRIVVAAAAAA!

dj arsonist: war echt ne super party!
die hütte voll bis oben hin. die stimmung super! auch das mit den verschiedenen musikstillen auf einem floor hat wunderbar funktioniert! danke an die kaiserslautern mafia! mir hats ohne ende spaß gemacht!

Quelle: http://www.future-music.net/

und was die Rheinpfalz so schreibt:

Neuer Kulturverein stellt sich vor

K.o.K.-roaches will alternative Kultur in der Barbarossastadt fördern

cc01.jpg Es tut sich was in der Kaiserslauterer Kultur-Landschaft: Der neu gegründete Verein K.o.K.-roaches – Kultur ohne Kommerz Kaiserslautern hat sich zum Ziel gesetzt, alternative Kultur- und Kunstangebote in der Stadt und ihrer Umgebung zu unterstützen – und zwar ohne kommerzielle Interessen. Am Samstagabend fand im Keller des Universitätsbaus 46 als erste Veranstaltung der Initiative die gut besuchte „Culture Clash“-Party statt.

Der im Oktober vergangenen Jahres gegründete Verein zur Förderung von Kultur außerhalb des Mainstreams möchte insbesondere entsprechend interessierte Menschen zusammenbringen und „nichtkommerzielle Kunst-, Kultur- und Bildungsveranstaltungen organisieren“, so die Presseinformation der Vereinigung. Ein weiteres Ziel ist die Einrichtung eines alternativen Kulturzentrums in Kaiserslautern, das „selbstverwaltet, generationsübergreifend, interkulturell und emanzipatorisch“ sein soll.

Das „Wappentier“ des Kulturvereins ist eine Kakerlake, was auf einem Wortspiel mit der Abkürzung „K.o.K.“ („Kultur ohne Kommerz“) und dem englischen Begriff „cockroach“ für Küchenschabe beruht. Zudem sei die Kakerlake eines der ältesten Tiere der Erde, widerstandsfähig, lebensfähig selbst unter widrigen Umständen, sowie in sozialen und kommunikativen Verbänden lebend. „Grund genug, derart erfolgreiche Überlebenskünstler zum Vorbild zu nehmen“, erklären die K.o.K-roaches auf ihrer Website. Als eine Konkurrenz zu bestehenden Veranstaltern sieht sich der Verein nicht. Dem stehe schon die Ausrichtung gerade auf „alternative“ Kultur entgegen, wie Tine Tischer, eines der Vorstandsmitglieder und Ansprechpartnerin während der „Culture Clash“-Veranstaltung, erklärte.

Jene Party für ein selbstverwaltetes Kulturzentrum in Kaiserslautern sollte eine allererste Aktivität sein, um den Verein und seine Ziele bekannt zu machen. Dafür hatte man sich einiges einfallen lassen. Umrahmt von ungewöhnlichen Licht-Installationen, etlichen Lichterketten und bunten Projektionen an den Wänden kreierten die eingeladenen Musikschaffenden aus Mannheim, Heidelberg und Kaiserslautern populäre Sounds, die meist in konkreter Interaktion mit Live-Darbietern (per Beatboxing etwa oder Saxophon-Spiel) standen.

So schufen Meckie Messer Muzak (Reggae/Dancehall), Revolt Sound (Reggae/Dancehall/Drum&Bass) und DJ Arsonist (Drum&Bass) im Verein mit MC Stagerocka, MC Wozu sowie mit den Beatbox-Spezialisten Raze-T und Triple M unter den zahlreichen Besuchern schon zu recht früher Stunde eine mitreißende Stimmung. Für den frühen Morgen standen noch die Projekte Tiefengestein (Minimal Techno mit Live-Saxophon) und Beatcheese (Minimal House/Techno) auf dem Programm. Verkaufsstände, etwa mit selbst gestalteten T-Shirts, und frisch gemixte Drinks rundeten die Party ab. Alle Mitwirkenden des Abends verzichteten übrigens für den Verein auf ihre Gage, und am Eingang konnte man wählen, ob man zu Gunsten der K.o.K-roaches einen Euro extra zum regulären Eintritt entrichten wollte. Die meisten Besucher machten von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Für weitere Aktivitäten hat sich der Verein bereits Räume in der Innenstadt angemietet, so Tine Tischer weiter. Die Räumlichkeiten werden derzeit renoviert und sollen künftig insbesondere für „leise“ Veranstaltungen wie Lesungen und Ausstellungen dienen. Als nächste Aktivität ist eine Ausstellung zum Thema Kakerlaken geplant, die Mitte April mit Fotos, Skulpturen, Comics, Büchern und Ähnlichem eröffnet werden soll. Hierzu sind alle Interessierten eingeladen, Beiträge zu liefern. (kel)

Informationen zum Kulturverein K.o.K.-roaches – Kultur ohne Kommerz Kaiserslautern e.V. gibt es unter der Internet-Adresse http://kokroaches.blogsport.de .

Quelle: RP-Pfälzische Volkszeitung, Seite 18 bzw. 4(Lokalteil), 9.03.2010

First KoKroaches-Party, 6.03.

Erste Party für ein selbstverwaltetes Kulturzentrum in Kaiserslautern:


Culture Clash, Sa. 6.03.

cultureclash01.jpg


Line Up:

cultureclash02.jpg

Mehr über KoKroaches und die ZentrumsIdee usw.

@ http://kokroaches.blogsport.de/

I-MARA – Free Mumia Abu Jamal (New Reggae Song)


I-MARA @ http://www.myspace.com/rootsrockimara

Rage Against The Death Machine

Solidaritäts-CD für Mumia Abu-Jamal

mumia-cover.jpg Ein Solidaritätssampler für den in den USA in der Todeszelle einsitzenden Afroamerikaner ist auf dem Bremer Label »Jump Up« erschienen.

Der ehemalige Sprecher der Black Panther Party und Journalist Mumia Abu-Jamal wurde 1982 in einem rassistischen Prozess wegen eines angeblichen Polizistenmordes zum Tode verurteilt. Seitdem sitzt er im Todestrakt in Pennsylvania. 1995 und 1999 konnten internationale Massenproteste angesetzte Hinrichtungstermine verhindern. Dieser Tage wird eine Gerichtsentscheidung über Abu-Jamals weiteres Schicksal erwartet.

Mithilfe der Doppel-CD »Rage Against The Death Machine«, deren Erlöse der Roten Hilfe zur weiteren Solidaritätsarbeit für Mumia Abu-Jamal zugute kommen, fordern nun fast 40 Bands und KünstlerInnen die Freilassung des zum Symbol des Kampfes gegen die Todesstrafe gewordenen Abu-Jamal.

Politisch aktive Bands

Interessanterweise wurde bei der Zusammenstellung darauf verzichtet, zur Verkaufsförderung möglichst berühmte Bands zu fragen, war und ist doch das Thema Todesstrafe jeher ein Punkt, an dem sich auch Bands aus dem Mainstream solidarisieren. Die Qualität leidet darunter keineswegs. Was wir hier zu hören bekommen, sind Bands aus dem Underground, KünstlerInnen, die zum großen Teil auch im kulturpolitischen Alltag aktiv oder zumindest solidarisch sind. Seien es die Rapper Chaoze One & Lotta C, die Microphone Mafia aus Köln, die Heidelberger Irie Révoltés – die Reggae, Ragga und Hip Hop mischen – oder Yok, früher unter dem Namen Quetschenpaua bekannt als der autonome Liedermacher schlechthin. Sie alle sind ein Teil der Bewegung und haben über diesen Benefizsampler hinaus eigene politische Projekte.
So breit die Bewegung für die Freiheit von Mumia Abu-Jamal ist, so verschieden ist auch die Musik auf den Tonträgern. Auf der ersten CD dominiert der deutschsprachige Hip Hop, vertreten durch Pyro One und Holger Burner; Plan 88 und Rebell der Welt gar mit je einem Lied über Mumia Abu-Jamal. Prägend auf dieser CD ist neben dem politischen Hip Hop auch der Dub, einer sich aus dem Reggae entwickelten Musikrichtung, die hier in ihrer elektronischeren Variante mit der Legende Zion Train und den französischen Pionieren High Tone und Brain Damage aufwartet.

Abwechslungsreiche Songs

Auf der zweiten CD geht es dann ein wenig schneller, lauter und härter zu, um gegen Ende aber mit der Kleingeldprinzessin mit ihren Stadtpiraten (Songtitel: »In der überwachten Welt«) und dem »kleinen elektronischen Weltorchester« ewo2 (»Free Mumia«) für einen wunderschön entspannenden und dennoch kämpferischen Ausklang zu sorgen. Insgesamt bewegt sich die zweite CD zwischen den Eckpfeilern Punk-Rock, Ska-Punk und Ska. Bekanntere Bands sind die mexikanischen Ska-Aushängeschilder Pantéon Rococó, die Hamburger Rantanplan, Abuela Coca und No Te Va Gustar aus Montevideo oder die wild mischenden Kiemsa aus Nantes. Auch Berliner Punkbands wie Müllsch oder Francesko sind vertreten.

Ein schönes Cover und ein dünnes, aber informatives Booklet runden das Bild ab. »Rage Against The Death Machine« ist so abwechslungsreich und vielseitig, wie der Widerstand gegen die Todesmaschine sein muss, um diesen staatlichen Mord zu verhindern.

Rage Against The Death Machine, Doppel-CD, 13 €. www.jump-up.de

*von Holger Getzmann, ND 20.01.2010




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